Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Zakat im Koran

Definition:

Der Begriff Zakat bedeutet übersetzt Reinheit bzw. Reinigung. Diese Reinigung steht in direktem Zusammenhang mit dem Begriff Sadaqa (Spende). Dies ergibt sich aus dem Vers 103 der Sure 9:

"Nimm aus ihrem Vermögen eine Almosengabe (sadaqa), um sie damit rein zu machen und zu läutern (tutahhiruhum wa-tuzakkiehim bihaa), und sprich den Segen über sie (salli `alaihim)! Dein Segen (salaat) ist eine Beruhigung für sie. Allah hört und weiß (alles). -" (Paret)

 


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1400 Jahre...

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Wenn Sunniten (aber auch Schiiten oder andere, die an die Relevanz der Ahadith glauben) der Meinung begegnen, dass die Ahadith keine Bedeutung hätten bzw. die meisten davon ohnehin Fälschungen seien, dann argumentieren sie manchmal damit, dass es doch vollkommen unwahrscheinlich sei, dass Gott die Menschen 1400 Jahre in Unwissenheit gelassen habe und dass Handlungen, wie z. B. das Gebet oder die Hadsch vielfach überliefert worden seien, so dass ein Irrtum ausgeschlossen sei.

An dieser Argumentation ist so gut wie alles unstimmig. Zunächst einmal ist alleine der Zeitraum von 1400 Jahren so nicht richtig, denn zur Ausgestaltung des Islam, wie wir ihn heute im sunnitischen Raum kennen dauerte es ca. 200 Jahre. Erst nach diesem Zeitraum konnten die Muslime auf größere und kontrollierte Hadithsammlungen zurückgreifen. Das bedeutet, dass man offenbar kein Problem damit hat, wenn Gott die Menschen 200 Jahre in Unwissenheit lässt. Darüber hinaus ist es so, dass zuvor ja keine religiöse Lehre gewesen ist, sondern durchaus eine bestimmte Fülle vorhanden war. So existiere bereits vor der Ausgestaltung der vier heute bekannten Rechtsschulen die Lehre der Mutaziliten. Diese wird auf Wasil Ibn Ata zurückgeführt, welcher bereits 748 verstorben ist. Zum Vergleich: Ibn Hanbal (Vordernker der Schule der Hanbaliten) starb erst 855. Mit anderen Worten: Gott hat nicht nur zugelassen, dass die Muslime ohne näheres Wissen über die Ahadith sind, er hat es sogar zugelassen, dass sich vollkommen andere theologische Strömungen entwickelten. Die Ahlu Sunna sind somit erst ca. 1200 Jahre alt.

Zur gleichen Zeit bildeten sich aber noch andere innerislamische Gruppierungen. Die bekannteste ist die Schia. Die Schiiten (und aus schiitischer Perspektive die Sunniten) wurden also 1400 Jahre ohne Wissen gelassen. Ist das Vorstellbar? Auf der einen Seite hat man kein Problem damit, dass Gott andere "Sekten" entstehen lässt, aber sobald die eigene Sekte kritisiert wird ist es vollkommen unvorstellbar, dass Gott derlei zulassen würde.

Die Problematik erstreckt sich jedoch nicht nur auf die innerislamischen Strömungen. Sie macht auch vor Juden und Christen nicht halt. So wurden die Christen ca. 600 Jahre in Unwissenheit gelassen und bei den Juden sieht es entsprechend noch schlimmer aus. Von den Eskimos ganz zu schweigen. Es ist also ersichtlich, dass das Argument, dass doch 1400 Jahre die Menschen in Unwissenheit geblieben wären keinerlei Grundlage hat. Darüber hinaus ist es keineswegs so, dass die Ahadith erst die letzten hundert Jahre abgelehnt werden würden. Bereits Imam Al-Shafi schrieb ein Buch, in dem er sich mit den Argumenten derer beschäftigte, die sie Ahadith verneinten. Dabei handelt es sich um das Buch "Kitab Jima al-ilm". Es ist also zumindest eindeutig belegt, dass bereits seit 1200 Jahren (Shafi starb 820) quranitische Sichtweisen vorhanden sind.
Je nach Interpretation (die Deutungshoheit darüber gehört eben nicht den Sunniten(!)) kann man jedoch auch Ahadith finden, die nahelegen, dass bereits zu Lebzeiten des Propheten Muhammad Ahadith nicht unbedingt gern gesehen waren ( Aufschlussreich ist hierzu das sogenannte Donnerstagsunglück, über das sich Sunniten und Schiiten nicht einigen können).

Wir sehen: weder ist die Annahme korrekt Gott sei nicht in der Lage ein Volk über längeren Zeitraum unwissend zu lassen, noch ist die Tradition der Hadithanhänger älter als die derer, die sie ablehnen.

Was ist also nun mit den vielen Überlieferungen zum Gebet? Hier ist zunächst zu beachten, dass es bereits bei der Anzahl der Gebetszeiten(!) Unstimmigkeiten gibt. Die Sunniten kennen derer fünf, die Schiiten hingegen nur drei, obgleich sie zu diesen drei Zeiten fünf Gebete verrichten (die sie mitunter zu dreien zusammenlegen können. Eigentlich sollte die Existenz dieser unterschiedlichen Ausübungsarten genügen um zu zeigen, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass Dinge, die eigentlich zum Grundprogramm des Islam gehören korrekt überliefert wurden. Es geht aber noch weiter: eine der Grundsäulen der Schia ist das Imamat. Laut der Schia kommt dieses Imamat im Koran vor. Sunniten verneinen dies. Wir sehen: es besteht nicht einmal Einigkeit darüber was im Koran steht, obwohl der Koran sich nicht verändert hat. Die Deutungen sind dennoch unterschiedlich. Es kann also kein Problem sein, dass man sich über andere, weniger eindeutige Dinge ebenfalls uneins wird.

Alles in allem kann man festhalten, dass das Argument der 1400 Jahre in keinem Punkt zutreffend bzw. zwingend ist.


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