Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Das Fasten im Koran

Über die Praktik des Fastens wird im Koran vergleichsweise wenig ausgesagt und nur wenige Verse geben die Regeln des Fastens wieder:

Sure 2 Verse 183-187:

"Ihr Gläubigen! Euch ist vorgeschrieben, zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein. (Das Fasten ist) eine bestimmte Anzahl von Tagen (einzuhalten). Und wenn einer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet (und deshalb nicht fasten kann, ist ihm)...


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Wie ich rechtgeleitet wurde

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Ein großspuriger Titel. Zeugt er doch von nicht weniger, als der totalen Überzeugung den anderen überlegen zu sein, den anderen voraus zu sein, im Gegensatz zu anderen die Wahrheit zu kennen. Der Autor des Buches ist ein Schiite: Dr. Muhammad al-Tijani al-Samaoui. Der schrieb dieses Buch und war zuvor Sunnite. Vermutlich hielt er sich vor seinem Übertritt ebenfalls für rechtgeleitet. Sein Buch findet sich hier: http://islam-pure.de/tijani/wie_ich_rechtgeleitet_wurde.htm Darin erklärt er uns die Wahrheit. Die Widerlegung des Buches ist hier einsehbar: http://www.ahlu-sunnah.com/attachment.php?attachmentid=887&d=1268490500 Auch darin wird uns die Wahrheit erklärt.

Ich kenne die Wahrheit hingegen nicht. Also jedenfalls nicht die absolute, denn ich kann ja nur für mich selber sprechen, also nur meine eigene subjektive Wahrheit verarbeiten.

Meine einzige Gemeinsamkeit mit al-Tijani ist, dass ich auch einmal ein Sunnite war. Heute bin ich das nicht mehr. Ich lehne die Sunna als unerlaubte Neuerung im Islam ab und werde daher von anderen Muslimen als Quranit bezeichnet. Quraniya, Nur-Koraner, Koraniten, Ahl ul Quran; es gibt viele Namen für Menschen wie mich. Wir betrachten uns hingegen lediglich als Muslime, erkennen also nur den Namen an, den Gott vorgesehen hat.

Und müht euch für Allah ab, wie der wahre Einsatz für Ihn sein soll. Er hat euch erwählt und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt, dem Glaubensbekenntnis eures Vaters Ibrahim: Er hat euch Muslime genannt, zuvor und (nunmehr) in diesem (Qur´an), damit der Gesandte Zeuge über euch sei und ihr Zeugen über die Menschen seid. So verrichtet das Gebet, entrichtet die Abgabe und haltet an Allah fest. Er ist euer Schutzherr. Wie trefflich ist doch der Schutzherr, und wie trefflich ist der Helfer! (22/78)

وجهدوا فى الله حق جهاده هو اجتبىكم وما جعل عليكم فى الدين من حرج ملة ابيكم ابرهيم هو سمىكم المسلمين من قبل وفى هذا ليكون الرسول شهيدا عليكم وتكونوا شهداء على الناس فاقيموا الصلوة وءاتوا الزكوة واعتصموا بالله هو مولىكم فنعم المولى ونعم النصير

Auf Grund dieses Verses ist es mir suspekt, wenn Muslime sich plötzlich als Ahlu Sunna wa Jamat, Schiat Ali oder sonst wie bezeichnen. Ich denke es ist keine Auszeichnung sich in immer weitere Kleingruppen auszudifferenzieren bis vom Islam nur noch das Dogma einer bestimmten Gruppierung übrig bleibt. Jede Lesart, jeder Tafsir, jede Meinung sollte gleichberechtigt neben den anderen Lesarten, Tefsir, Meinungen stehen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Wann immer jemand eine andere Meinung hat, diese gar noch propagiert wird er von "Andersgläubigen" beleidigt und als Kafir (Glaubensleugner) dargestellt. Und wo die Mehrheit gerade sitzt, wird sie sich durchsetzen. Unabhängig davon, ob sie recht hat oder eben nicht.

Ich war Sunnit. Jahrelang und jahrelang habe ich mich mit anderen innerislamischen Strömungen beschäftigt. Von Beginn an fiel mir dabei die Richtung ins Auge, die die ganzen Überlieferungen (Ahadith) über den Propheten Muhammad bzw. die Umstände unter denen er sein Leben bestritt ablehnt. Es war mir sehr eingängig, fiel mir doch des öfteren eine große Diskrepanz zwischen der Weisheit des Koran und den in meinen Augen teilweise grotesken Anweisungen und Erzählungen, die sich in den vermeintlich authentischen Hadithsammlungen finden, auf. Exemplarisch möchte ich den folgenden Hadith nennen:

Sahih Bukhari Volume 1, Book 5, Number 277:

Narrated Abu Huraira:
The Prophet said, 'The (people of) Bani Israel used to take bath naked (all together) looking at each other. The Prophet Moses used to take a bath alone. They said, 'By Allah! Nothing prevents Moses from taking a bath with us except that he has a scrotal hernia.' So once Moses went out to take a bath and put his clothes over a stone and then that stone ran away with his clothes. Moses followed that stone saying, "My clothes, O stone! My clothes, O stone! till the people of Bani Israel saw him and said, 'By Allah, Moses has got no defect in his body. Moses took his clothes and began to beat the stone." Abu Huraira added, "By Allah! There are still six or seven marks present on the stone from that excessive beating."

Narrated Abu Huraira: The Prophet said, "When the Prophet Job (Aiyub) was taking a bath naked, golden locusts began to fall on him. Job started collecting them in his clothes. His Lord addressed him, 'O Job! Haven't I given you enough so that you are not in need of them.' Job replied, 'Yes!' By Your Honor (power)! But I cannot dispense with Your Blessings.' "

Weder lässt sich aus dieser Überlieferung eine Lehre extrahieren, noch erläutert sie den Koran, noch bietet sie einen tieferen Sinn. Im Gegenteil: Hier wollen die Tradenten uns glauben machen, dass Gott den Genitalien eines Propheten eine dermaßen hohe Bedeutung beimisst, dass er sie allen Juden zeigen will. Um dies zu erreichen beauftragt Gott offenbar einen Stein, um mit der Kleidung von Moses davon zulaufen! Die Frage die sich stellt: war es Gott nicht möglich den Körper von Musa zu zeigen, ohne, dass etwas Übernatürliches geschieht? Und ist es realistisch zu glauben, dass die Juden den Körper von Moses bemerkenswerter finden, als einen rennenden Stein?

Jedenfalls trug ich beinahe von Anbeginn Gefühl bezüglich der Authentizität der Überlieferungen in mir, welches obskurerweise durch die Lektüre sunnitischer Literatur noch verstärkt wurde. So widmete sich das Buch „Islam im Alltag – Eine Handreichung für deutschsprachige Muslime“ von Abdullah Leonhard Borek (Herausgeber) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Muslim-Liga e.V. u.a. der Frage nach der Relevanz der Befolgung der Ahadith. Auf mehreren Seiten wird dieses Thema bearbeitet ohne die letzte und für mich entscheidende Frage zu beantworten: wieso ist der Koran von Gott geschützt, die Ahadith jedoch nicht? Wie kann es also sein, dass Gott den Menschen bis zu Muhammad ibn Ismāʿīl ibn Ibrāhīm ibn al-Mughīra al-Buchārī al-Dschuʿfī eine professionelle Hadithwissenschaft vorenthielt? Sie 200 Jahre in Unwissenheit ließ bezüglich der Frage ob das, was man sich so erzählt, auch der Realität entspricht!

Ich fand auf diese Frage jahrelang keine Antwort. Vor einigen Jahren fand ich dann endlich den Versuch einer Antwort in einer weiteren sunnitischen Publikation. Es handelt sich dabei um das Werk "Einführung in die Hadīthwissenschaften" von Ferid Heider. Online lesbar: http://www.didi-info.de/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=10&&Itemid=5 Darin findet sich bezüglich meiner Frage eine Antwort, die ich an dieser Stelle zitieren will:

3.3.3 Drittes Scheinargument


Allah ta’ala hat im folgenden Vers garantiert, dass er den Qur‘ān vor Verfälschung und Verlorengehen bewahren wird: Wahrlich, Wir Selbst haben diese Ermahnung herabgesandt,
und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.(15:9)
Mit der Ermahnung in diesem Vers ist der Qur‘ān gemeint. Demnach ist die Sunna nicht vor Verfälschung behütet worden und ist somit nicht als islamische Rechtsquelle geeignet.

Widerlegung dieses Arguments


Es ist absolut richtig, dass Allah ta’ala in diesem Vers mit der Ermahnung den Qur‘ān meint, wie es die meisten Tafsīr- Gelehrten sagen. Jedoch setzt die Bewahrung des Qur‘āns voraus, dass auch das bewahrt wird, was den Qur‘ān erläutert und dies ist die Sunna unseres Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihm. Denn im Qur‘ān heißt es:
„...und zu dir haben Wir die Ermahnung herabgesandt, auf dass du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde, und auf dass sie nachdenken mögen.“(16:44) Die Sunna muss demnach auch vor dem Verlorengehen und der Veränderung behütet worden sein, damit wir den Qur‘ān richtig verstehen und seine Rechtsbestimmungen in korrekter Weise umsetzen können.

Man kann die Antwort auch anders formulieren: Die Sunna muss bewahrt werden, weil wir auf Grund unserer Koranexegese meinen, dass wir sie brauchen. Nur kann man Sure 16 Vers 44 auch ganz anders verstehen bzw. übersetzen. Dazu möchte ich mehrere Übersetzungen gegenüberstellen. Zunächst die Übersetzung von Frank A. Bubenheim in Zusammenarbeit mit N. Elyas:

(Wir haben sie gesandt) mit den klaren Beweisen und den Büchern der Weisheit. Und Wir haben zu dir die Ermahnung hinabgesandt, damit du den Menschen klar machst, was ihnen offenbart worden ist, und auf daß sie nachdenken mögen.

Nun die Übersetzung von Muhammad Rassoul:

(Wir entsandten sie) mit den deutlichen Zeichen und mit den Büchern; und zu dir haben Wir die Ermahnung herabgesandt, auf daß du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde, und auf daß sie nachdenken mögen.

Und zuletzt die Übersetzung der Al Azhar Universität durch M. Maher:

Wir entsandten sie vor dir mit klaren Beweisen und den Büchern. Wir haben dir den Koran herabgesandt, damit du den Menschen die ihnen zugedachte Offenbarung klar verkündest, auf dass sie nachdenken mögen.

In allem drei Fällen haben wir es mit sunnitischen Übersetzungen zu tun, es ist also ausgeschlossen, dass hier bewusst manipuliert wurde. Wir haben es bei Sure 16 Vers 44 also mit einem mehrdeutigen Vers zu tun. Wie kann man bitteschön aus einem mehrdeutigen Vers eine verbindliche Regelung ableiten? In Wahrheit ist also die Beantwortung meiner Frage auch durch F. Heider nicht wirklich objektiv sondern durch eine sunnitische Brille beantwortet worden. Doch will ich einen Augenblick davon ausgehen, dass er recht hat, dass also aus dem Koran eindeutig eine Bewahrung der Sunna ableitbar sei. Wie ist es dann möglich, dass sich Ahadith selbst widersprechen? Als Beispiel möchte ich die folgenden Überlieferungen anführen:

Sahih Muslim Buch 41, Nummer 7005:

Ibn Umar reported that Allah's Messenger (may peace be upon him). made a mention of Dajjil in the presence of the people and said: Allah is not one-eyed and behold that Dajjal is blind of the right eye and his eye would be like a floating grape.
Sahih Muslim Buch 41, Nummer 7010:
Hudhalfa reported that Allah's Messenger (may peace be upon him) said: Dajjal is blind of left eye with thick hair and there would be a garden and fire with him and his fire would be a garden and his garden would be fire.

Eine genauere Analyse der beiden Ahadith: http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/ahadith/interessante-ahadith/787-des-dajjals-augen.html

Doch widersprechen sich die Ahadith nicht nur selbst, sondern auch dem Koran:

Er ist es, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, und Sein Thron war auf dem Wasser, damit Er euch prüfe (und feststelle), wer von euch die besten Taten begeht. Und wenn du sagst: "Ihr werdet nach dem Tod auferweckt werden", sagen diejenigen, die ungläubig sind, ganz gewiß: "Das ist ja nur deutliche Zauberei." (11/7)

Sahih Muslim Kapitel 2 Buch 39 Nr. 6707:

Abu Haraira reported that Allah's Messenger (may peace be upon him) took hold of my hands and said: Allah, the Exalted and Glorious, created the clay on Saturday and He created the mountains on Sunday and He created the trees on Monday and He created the things entailing labour on Tuesday and created light on Wednesday and lie caused the animals to spread on Thursday and created Adam (peace be upon him) after 'Asr on Friday;the last creation at the last hour of the hours of Friday, i. e. between afternoon and night.

Ich kann also beim Besten willen nicht erkennen, was hier wie geschützt worden sein soll.


Nachdem ich also realisieren musste, dass man sich nicht wirklich auf die Tradenten verlassen konnte, auch wenn man sich an das hält, was allgemein als sahih (authentisch) eingestuft wird, fing ich an, mich näher mit den Argumenten der sogenannten Quraniten zu befassen. So erkannte ich, dass alle(!) Koranverse, die zur Untermauerung der Befolgung der Sunna des Propheten angeführt werden in sich nicht eindeutig, sondern mehrdeutig sind. Es kann also so sein, es kann aber auch ganz anders sein. Wie entscheiden?

Exemplarisch möchte ich an dieser Stelle auf zwei oft zitierte Verse zu sprechen kommen. In Sure 4 Vers 64 steht:

Und wir entsandten keinen Gesandten, außer damit ihm gehorcht wird, durch die Erlaubnis Allahs.

Sunniten sehen hier die Anweisung der Sunna zu folgen. Kann man so sehen. Gar keine Frage. Muss man aber nicht und das ist das Problem. Selbst wenn wir sagen, dass man dem Gesandten folgen soll, so steht hier weder eine Aufforderung Überlieferungen zu sammeln noch die Anweisungen des Propheten Muhammad zu konservieren. So wenig wie wir ein Instrument an die Hand bekommen um die Überlieferungen zu klassifizieren. Wir wissen schlicht nicht, ob es sich hierbei um eine temporäre Führung handelt oder um eine ewige. Betrachten wir also Koranverse ähnlichen Inhalts:

O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabern unter euch! Wenn ihr miteinander über etwas streitet, dann bringt es vor Allah und den Gesandten, wenn ihr wirklich an Allah und den Jüngsten Tag glaubt. Das ist am besten und am ehesten ein guter Ausgang. (4/59)

Ich habe noch keinen Sunniten gesehen, der auf Grund dieses Verses die Meinung vertreten hätte, dass einem Befehlshaber über seinen Tod hinaus gefolgt werden müsse oder dass es notwendig sei, sein Leben aufzuschreiben.

Ein weiterer Vers, der oftmals benutzt wird um neben dem Koran weitere Offenbarungen zu etablieren findet sich in Sure 2 Vers 151:

Wie Wir auch unter euch einen Gesandten aus eurer Mitte erstehen ließen, der euch Unsere Verse verliest und euch läutert und euch das Buch und die Weisheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht wußtet,

Das Buch und die Weisheit. Also Koran und Sunna - wenn man den Sunniten glauben schenken will. Doch beinhaltet der Koran nicht die Weisheit? Sure 31 Vers 2 gibt Auskunft:

Dies sind die Zeichen des weisen Buches,

Auch hier also mitnichten eindeutige Verse. Jetzt wird vielleicht der eine oder die andere aufspringen und einwenden, dass es doch noch viel mehr Verse gäbe, die die Sunna des Propheten befürworten würden. Stimmt. Die sind alle aber ebenfalls nicht eindeutig: http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/fremdtexte/408-hadithe-der-feind-im-inneren.html


Die obigen Erkenntnisse betrachte ich persönlich als ein Geschenk Gottes. Es half mich zu entwickeln und mehr Zeit in die Erforschung der Worte des Koran zu investieren.

Manchen mag nun obiges erstaunen, manche sind vielleicht ungehalten, andere sehen die Sache vielleicht ganz anders und meinen vielleicht einen Fehler in meiner Logik gefunden zu haben. Dies kann sein, bin ich doch auch nur ein fehlbarer Mensch. Daher möchte ich explizit zur Diskussion ermuntern: http://forum.meine-islam-reform.de/

Zum Abschluss noch eines: oftmals werde ich mit der Aussage konfrontiert, was mir denn einfiele den großen Gelehrten zu Widersprechen. Diese wüssten es doch sicherlich besser als ich. Mag sein! Nur von welchen Gelehrten wird da gesprochen? Denen der Mutazilten? Denen der Schia? Denen der Sunniten? Von welchen Gelehrten ist die Rede? Denen, die meine Meinung vertreten oder doch die anderen? Ich weiß zwar nicht ob ich rechtgeleitet bin, doch werde ich dereinst vor Gott zumindest nicht für blindes Nachfolgen belangt werden können.


Kommentare  

 
+3 # schöner ArtikelKazuya 2012-08-20 13:42
Selam Andreas - Möge der Frieden mit dir sein!
Das ist wirklich ein schöner und gut durchdachter Artikel der auch wirklich zum Nachdenken anregt!
wa salam
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