Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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Juden und Christen: keine Freunde der Ergebenen?

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Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verstoßenen Teufel,
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

5:51 O ihr Gläubigen! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Gott weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.


Ich wurde schon des Öfteren nach Vers 5:51 gefragt, welcher davon spräche die Juden und die Christen nicht zu Freunden zu nehmen, wenn wir Muslime, d.h. Gottergebene seien. Dieser Vers brachte bereits Reaktionen wie folgende hervor: “Bin ich überhaupt nicht mit einverstanden! Überhaupt “Juden und Christen” in einen Topf zu schmeißen und dann noch “Volk der Ungerechten” zu nennen! Dieser Vers sät tatsächlich Zwietracht!” Hier sei noch einmal die Vorgehensweise beim Verstehen des Korans erinnert:

  1. Die Sprache ist kein Hindernis
  2. Den ganzen Vers anschauen
  3. auch die umliegenden Verse anschauen
  4. sich über mehrdeutige Wörter bewusst sein
  5. Verse gleichen Themas zusammenstellen
  6. Nach Beispielen im Koran suchen
  7. Geduldig sein und Gott um Hilfe und Rat bitten

Für ein besseres Verständnis dieses Verses analysieren wir als Erstes, wie sich die fünfte Koransure “entwickelt”:

5:1-2 Verbote bei der Pilgerfahrt
5:3-5 nur vier Nahrungssorten sind verboten worden
5:6-7 Die Waschung vor dem Gebet
5:8-10 macht keine falschen Zeugenaussagen
5:11 Gott beschützt und verteidigt Seine Diener (die Gläubigen)
5:12 Bedingungen um unter Gottes Schutz stehen zu dürfen
5:13 Konsequenzen der Missachtung des Bundes mit Gott
5:14 Auch Christen müssen dem Gesandten Gottes gehorchen
5:15-16 Koran: Gottes Botschaft für die Christen und die Juden
5:17-18 die gravierende Blasphemie
5:19-20 wie habt ihr den Gesandten, der zu euch kam, aufgenommen
5:21-23 Gott gibt das Heilige Land den Juden
5:24-26 Trotz all den Wundern, welche die Juden gesehen hatten
5:27-30 der erste Mord
5:31 die Lehre des Raben
5:32 der Wert eines Individuums – die Grobheit des Tötens
5:33-35 Todesstrafe: wann ist sie legitim?
5:36-37 Der Preis des Ableugnens
5:38-40 das Abschneiden der Hände der Diebe
5:41-43 die Verzerrung des Kontextes der Schrift durch die Juden
5:44 Tora: Weisheit und Licht für das Volk der Juden durch muslimische Propheten (“Muslim” ist keine besondere Bezeichnung, sondern bedeutet schlicht “(Gott-)Ergebener”)
5:45 Das Gesetz der Äquivalenz (Leben um Leben, Auge um Auge…)
5:46-47 Das Evangelium JESU: Weisheit, Licht und Rechtleitung durch Jesus überliefert.
5:48-50 Koran: letzte und einzige Quelle
5:51-53 Gewisse Juden und Christen können keine Freunde sein
5:54 Wenn Gläubige von ihrer Religion abfallen…
5:55-56 Die wahren Freunde
5:57-63 Das Verhalten gewisser Juden und Christen
5:64 Blasphemie gegenüber Gott
5:65 Erlösung für Juden und Christen
5:66 Sie sollten an diesen Koran glauben
5:67 Der Gesandte muss nur überliefern
5:68 Folgt den Schriften, die zu euch gesandt wurden!
5:69 Minimale Anforderungen für eine Erlösung
5:70-71 Der Bund Gottes mit den Kindern Israels
5:72-76 Das heutige Christentum ist nicht die Religion Jesus’
5:77-78 Wählt eure Freunde sorgfältig aus

 

usw. usf.

Die Sure behandelt also reichlich Fragen, welche das interreligiöse Leben betreffen. Kommen wir zurück zur Frage: Was meint Gott mit “nehmt keine Juden und Christen zu Freunden”?

Diejenigen Juden und Christen, mit denen es verboten ist, Freundschaften zu schließen haben ganz bestimmte Absichten, wie wir aus der Liste sehen können. Diese werden in 5:57 erläutert. Innerhalb der Schriftbesitzer (Juden und Christen) gibt es auch gute Menschen (3:113). Das Essen dieses Volkes kann gegessen werden (5:5) und ihre Frauen können geheiratet werden. Hier stellt sich doch die Frage: wieso sollte uns Gott erlauben, Juden oder Christen zu heiraten, wenn doch bereits die Freundschaft verboten sei? Die Verse 5:57, 49:13 und 60:8-9 geben uns die wichtigsten Ermahnungen und legen die Hauptprinzipien fest, mit welchen Menschen und Völkern wir Beziehungen pflegen sollen. Nicht nur eine Koexistenz, sondern auch ein aktives Kennenlernen wird von uns verlangt (49:13). Es ist also durchaus erlaubt, Juden und Christen als Freunde zu haben.

5:57 O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Beschützern – von jenen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und von den Ungläubigen -, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben – und fürchtet Gott, wenn ihr Gläubige seid.

4:140 Und Er hat euch schon in dem Buch herabgesandt, dass – wenn ihr hört, dass die Zeichen/Verse Gottes geleugnet und verspottet werden – ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wärt sonst wie sie. Wahrlich, Gott wird die Heuchler und die Ungläubigen allesamt in der Hölle versammeln.

3:113-115 Sie sind aber nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es (auch) eine Gemeinschaft, die stets die Verse Gottes zur Zeit der Nacht verlesen und sich dabei niederwerfen. Sie glauben an Gott und an den Jüngsten Tag. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche und eilen zu den guten Dingen um die Wette. Sie gehören zu den Rechtschaffenen. Was immer sie an Gutem tun, sie werden dafür nicht Undank ernten. Gott weiß über die Achtsamen Bescheid.

60:8-9 Gott verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Gott liebt die Gerechten. Doch Gott verbietet euch, mit denen, die euch des Glaubens wegen bekämpft haben und euch aus euren Häusern vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu schließen. Und wer mit ihnen Freundschaft schließt – das sind die Missetäter.

3:64 Sprich: “O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Gott allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Gott.” Und wenn sie sich abwenden, so sprecht: “Bezeugt, dass wir (Ihm) ergeben sind.”

49:13 Ihr Menschen! Gewiss wir erschufen euch aus einem Männlichen und einem Weiblichen und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr euch kennen lernt. Gewiss der Würdigste von euch bei Gott ist der Achtsamste (Rechtschaffenste). Gewiss, Gott ist allwissend, allkundig.

Wie wir sehen, reicht diese Methode allein schon aus, um diesen Sachverhalt zu klären. Dennoch sollte die Wahrheit die oberste Priorität sein, denn dies ist nicht der einzige Umstand, der in dieser Bedeutung unter den Übersetzungen merkwürdig erscheint. Denn für den aufmerksamen Studenten des Koran gibt es andere Verse, die belegen, dass Gott von uns ein friedliches Zusammenleben auch mit anderen Kulturen will. Deshalb wollen wir diesen Vers noch sprachlich analysieren.

 

Sprachlicher Aspekt von ‘Freunde’

Der arabische Wortlaut des Verses 5:51 ist hier zu sehen:

يايها الذين ءامنوا لا تتخذوا اليهود والنصرى اولياء بعضهم اولياء بعض ومن يتولهم منكم فانه منهم ان الله لا يهدي القوم الظلمين

Ahmadeyya und Paret Übersetzungen
5:51 O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander…

Rasul Übersetzung
5:51 O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Beschützern. Sie sind einander Beschützer.

Wie zu sehen ist, gibt es in der Übersetzung bereits unterschiedliche Ansätze, wie das Wort awliyaa’ (اولياء) übersetzt wird. In diesem Vers handelt es sich nämlich nicht um Freundschaften, sondern um eine politisch wie auch diplomatisch orientierte Beziehung. Es ist ein Umstand, in dem Macht und Einfluss eine Rolle spielen. Es ist auch unverständlich, weshalb die Übersetzer irrtümlicherweise gerade dieses Wort wählen, obwohl das arabische Wort für Freund (arabisch: sadiq) im Koran in einem anderen Vers vorkommt:

24:61 Kein Vorwurf trifft den Blinden, noch trifft ein Vorwurf den Krüppel, kein Vorwurf trifft den Kranken oder euch selbst, wenn ihr in eurem Haus, im Haus eures Vaters oder eurer Mutter… oder (im Haus) eures Freundes (sadieqakom) …

26:101 noch einen engen Freund (sadiq).

Schauen wir in der Wurzelbeschreibung des Begriffes “Waly” nach, lesen wir:

ولى – Waliya

المولى – الولي [Almawla] oder [Alwaly] Der Gebieter, Der Schutzherr, Der Verbündete

Nom.
مولى [mawla] Schutzherr,
ولي [waliy] Verbündeter, Treuer
ولاية [walayah] Vormundschaft, rechtliche Gewalt,
ولاية [wilayah] Souveränität, Autorität, Provinz, Staat,
الولايات المتحدة [alwilayat almottah´idah] Die vereinigten Staaten,
ولي العهد [waly Aláahd] Thronfolger,
ولي الأمر [waly Alamr] Sachwalter, Vormunder,
إستيلاء [istylaa] Besitznahme,

V.
ولى [waliya] jmdm beistehen, sich mit jmdm verbünden, zur Seite stehen, jmdm folgen,
ولى [walla] (von einer Sache) sich abwenden, flüchten,
تولى [tawalla] (Amt) innehaben, bekleiden, übernehmen, in Besitz nehmen, (von einer Sache) sich abwenden,
تولى الحكم [tawalla alh´okm] Macht übernehmen,
توالى [tawala] ununterbrochen aufeinanderfolgen,
إستولى [istawla] in Besitz nehmen, sich bemächtigen,
يلي [yaly] folgen

كما يلي [kama Yaly] wie folgt,
فيما يلي [fima yaly] im folgenden,
أولى لك [awla laka] ist dir am aller besten …

Die nächste Wurzel, die unserem Begriff am ähnlichsten ist, lautet
أول [Awwal] als erstes,
أولي [awwaly] primär,
أولوية [awlawyyah] Vorrang, Priorität.

Wie wir bei unserer Übersetzung des Wurzelbegriffes sehen, kommt das Wort Freund überhaupt nicht vor. Vielmehr geht es beim Wort (waly pl. awlyaa) um den Bund, den man bei großen Koalitionen mit anderen Organisationen auf politischer Ebene schließt. Es ist auch klar, dass wir als Gottergebene im Falle der Wahrheitsfrage niemals die traditionellen Kirchenträger zur Hilfe bitten sollten, da sie ihren eigenen weltlichen Interessen bzw. Ideologien folgen, die sich nicht mit der Gerechtigkeit für alle Menschen vereinbaren lassen.

Außerdem wird zu einem Freund im Arabischen nie “Du bist mein Waly” gesagt, denn dieses Wort gilt nur für unseren Herrn und Dem einzigen mächtigen Verbündeten, den ein wahrer Gottergebener (Muslim) hat, unserem Gott.

Wer sie aber trotzdem als Verbündete nimmt, dann ist er einer von ihnen” lautet der Vers weiter. Wer also diese Tat begeht, so heißt dies, dass er selber seine eigene Tradition pflegt, was nichts anderes ist als alle anderen religiösen, politischen, verdorbenen Organisationen. So wie damals die arabischen Nationen gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei ihrer Koalition mit dem Westen gegen das geschwächte osmanische Reich, wobei viele Massaker in der eigenen Bevölkerung und Millionen Todesfälle verursacht wurden.

Uns geht es auf jeden Fall nicht um diese Art der Interpretationen des Verses (5:51), eher darum, die wahre bzw. exakte Bedeutung des arabischen Begriffes wiederzugeben. Wir hoffen, dass zukünftig Korrekturen an den Übersetzungen vorgenommen werden, um eine einheitliche, saubere deutsche Koranversion entstehen zu lassen, so Gott will.

Salam

Er ist Gott, außer Dem kein Gott ist; Er ist der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren. Er ist der Allerbarmer, der Barmherzige. Er ist Gott, außer Dem kein Gott ist; Er ist der Herrscher, der Einzig Heilige, der Friede, der Verleiher von Sicherheit, der Überwacher, der Erhabene, der Unterwerfer, der Majestätische. Gepriesen sei Gott über all das, was sie (Ihm) beigesellen. Er ist Gott, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Ihm stehen die schönsten Namen zu. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Erhabene, der Allweise. 59:22-24


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