Meine-Islam-Reform

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Das Gebet im Koran

Im orthodoxen Islam ist man der Ansicht, dass der Koran nicht ausreichen würde, um das Gebet zu beschreiben. Daher greift man diesbezüglich auf die Ahadith zurück. Dies geht einher mit dem Gedanken, die Durchführung des Gebets müsste wie eine Gebrauchsanweisung in allen Einzelheiten beschrieben sein, ohne bzw. mit nur ehr wenig individuellen Möglichkeiten. Dies ist für sich betrachtet in sich schlüssig und korrekt. Es ist jedoch ein Irrtum anzunehmen, dass es nicht auch anders ginge und eben...


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Zwangsheirat

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Immer wieder hört man von Zwangsehen. Zuletzt erschien eine Studie, die belegt, dass Zwangsehen auch unter Muslimen noch immer an der Tagesordnung sind, was erstaunlich ist, da der Koran sich explizit gegen eine solche Praxis wendet.

 

 

In Sure 24 Vers 33 lesen wir:

Und diejenigen, die es sich nicht leisten können zu heiraten, sollen so lange Enthaltsamkeit üben, bis Allah sie durch seine Huld reich macht. Und wenn welche von euren Sklaven einen Freibrief haben wollen, dann stellt ihnen einen solchen aus, falls ihr eine gute Meinung von ihnen habt, und gebt ihnen etwas von dem Vermögen Allahs, das er euch gegeben hat! Und zwingt nicht eure Sklavinnen (fatayaat), wenn sie ein ehrbares Leben führen wollen, zur Prostitution[bighai], um (auf diese Weise) den Glücksgütern (`arad) des diesseitigen Lebens nachzugehen Wenn (jedoch) jemand sie (wirklich dazu) zwingt, dann ist Allah gewiß nach ihrem erzwungenen Tun, barmherzig und bereit zu vergeben.

وليستعفف الذين لا يجدون نكاحا حتى يغنيهم الله من فضله والذين يبتغون الكتب مما ملكت ايمنكم فكاتبوهم ان علمتم فيهم خيرا وءاتوهم من مال الله الذى ءاتىكم ولا تكرهوا فتيتكم على البغاء ان اردن تحصنا لتبتغوا عرض الحيوة الدنيا ومن يكرههن فان الله من بعد اكرههن غفور رحيم

In diesem Vers lesen wir, dass man Sklavinnen nicht zur Prostitution zwingen soll. Wenn man also nicht einmal seine Sklavin zwingen darf, wie kann man dann auf die Idee kommen, dass man es bei seiner Tochter darf?

Manch ein Vertreter der Anhänger von Zwangsheiraten mag nun einwenden, dass eine Ehe keine Prostitution sei. Dies ist natürlich richtig. Allerdings ist in diesem Vers nicht nur die Rede von Prostitution, sondern von Unkeuschheit, denn genau dies bedeutet der Begriff bigha ebenfalls:

ب غ ي

Ba-Ghayn-Ya =

Sought for or after, desired, endeavored to find and take and get (good or evil)
Loving or affecting a thing
Acting wrongfully, injuriously or tyrannically
Seeking or endeavoring to act corruptingly, wrongly and/or unjustly, insolent/disobedient
Exceeding due bounds or just limits in any way
Not right, proper or fit
Prostitute or adulteress, unchaste [e.g. 19:20, 19:28, 24:33]
Seeking what one should not seek
Seeking game or prey
Place where a thing is sought, way or manner in which a thing is sought

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume1/00000268.pdf

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume1/00000269.pdf

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume1/00000270.pdf

Noch zwingender wird die Sachlage, wenn man bedenkt, dass der begriff fatayaat nicht immer im Sinne von Sklaven gebraucht werden muss, sondern allgemein junge Menschen beschreibt:

Fa-Ta-Ya = to be young, full-grown, brave, generous, manly qualities, bold, courageous, fine fellow, gallant, young comrade, young slave, servant.
afta - to advise, give an opinion/instruction, decision, judgement or decision in a matter of law, give a formal legal decree, announce of inform a legal order, issue a (divine) decree or sacred law, explain the meaning, pronounce, furnish explanation.

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume6/00000120.pdf

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume6/00000121.pdf

 

Insofern macht der Koran es unmöglich, dass man Menschen zu Unkeuschheit und damit zur Ehe zwingt.

Zwar legen wir hier keinerlei Wert auf die Ahadith, aber auf Grund der Schwere der Problematik sollen an dieser Stelle auch einige Ahadith zitiert werden:

„Der Prophet (...) sagte: »Eine ältere Frau darf nur verheiratet werden, wenn dies mit ihr besprochen wurde. Und eine Jungfrau darf nur verheiratet werden, wenn sie der Heirat zustimmt.« Jemand fragte ihn: »O Gesandter Gottes, wie äußert eine Jungfrau ihre Zustimmung?« Er erwiderte: »Sie gibt dadurch ihr Jawort, daß sie schweigt.«“

"Wenn einer von euch seine Tochter verheiraten möchte, so muss er sie um ihre Erlaubnis bitten." (Sunan al-Aqwal wa al-Af'al Nr. 25644)

Hansâ Bint Hidâm Al-Ansâriyya berichtet, dass sie als verwitwete Frau von ihrem Vater wiederverheiratet wurde, und dass sie damit nicht einverstanden war. Sie begab sich deshalb zum Gesandten Allahs ع.ص.م, und er machte ihre Ehe rückgängig. (Auszüge aus Sahih Al-Buchari, Hadith Nr. 5138)

Abdullah ibn Buraida berichtet, dass Aisha sagte, dass eine junge Frau zu ihr kam und sagte: „Mein Vater verheiratete mich mit meinem Cousin, um sein Ansehen zu steigern und ich möchte dem nicht zustimmen.“ Aisha sagte: „Setze dich und warte, bis der Prophet ع.ص.م, kommt.“ Der Prophet ع.ص.م kam und Aisha berichtete ihm von der Situation. Daraufhin lies Muhammed ع.ص.م ihren Vater einladen und erklärte ihm, dass die Entscheidung in der Hand seiner Tochter läge. [..] usw. (Sunan al-Nisaa’l, Kitaab al-Nikaah)

In Saudi-Arabien sind Zwangsehen übrigens verboten:

http://en.qantara.de/wcsite.php?wc_c=7566

 

Wer von einer Zwangsehe betroffen ist, der findet hier Rat: http://www.ehrverbrechen.de/1/


Kommentare  

 
0 # Ma Malakat AymanukumTimur 2011-11-14 16:43
Salam Andreas!

Ein wie immer ehr gelungener Artikel! Eine Anmerkung zu der von dir gewählten Übersetzung: Ma Malakat Aymanukum ist nicht unbedingt mit Sklaven zu übersetzen, sondern es sind eher Leute, die noch unter der Obhut der Familie leben, was deine Folgerung bzg.l der Zwangsheirat nur noch weiter bestärken würde. Ich kopiere mal einen Abschnitt aus dem Buch "The Natural Republic" hier rein, vielleicht siehst du es ähnlich:

What about “Ma Malakat Aymanukum”?

The last sectarian jab at trying to find ways of having illicit sex comes under the deliberate misinterpretati on of “Ma Malakat Aymanukum.” It is argued that the Qur’an gives license to have sex with this category of women, which means that concubines are permitted. The people who put forward such arguments apparently do not care to read the Qur’an closely, else they would have spotted the following verse:

“And whoever of you cannot aff ord to marry the independent female believers, then from those maintained by your oaths (Ma Malakat Aymanukum) of the believing young women. And God is more aware of your faith, some of you to each other. You shall marry them with the permission of their parents and give them their dowries in kindness; to be independent, not for illicit sex or taking lovers. When they become independent, then any of them who come with lewdness shall have half of what is the punishment for those independent. This is for those who are concerned about deviating from among you. But if you are patient it is better for you, and God is Forgiver, Merciful.” (Qur’an 4:25)

In the clearest of possible words, God is telling us that the people from this category (which includes males as well as females 24:31) are young people who are still under guardianship, and who can only be entered into a relationship with under marriage, and that such marriage requires the approval of their parents/guardians. So much for concubines!

wa salam und weiter so :-)
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0 # AntwortAdmin 2012-06-24 20:27
Salam Timur!

Zunächst vielen Dank für Dein Lob!

Im Deutschen existiert leider keine adäquate Übersetzung, die man uneingeschränkt nutzen könnte und da es mir in diesem Beitrag nicht um Ma Malakat Aymanukum ging habe ich schlicht den Paret benutzt. Wobei ich hier der Ansicht bin, dass Sklaven zutreffend wäre.

Was den Begriff angeht: die Sichtweise von TNR überzeugt mich persönlich nicht so sehr, weil da versucht wird diesen Begriff immer gleich zu verstehen. Dies halte ich für einen Irrtum, weil es an manchen Stellen nicht so recht zu passen scheint. Vgl. hierzu die Ausführungen, die für den Abschnitt in TNR Pate standen:
meine-islam-reform.de/.../...
Wesentlich überzeugender in meinen Augen:
meine-islam-reform.de/.../...

wa salam
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0 # Ma Malakat AymanukumTimur 2011-11-14 18:34
Salam Andreas.

Vielen Dank für deine beiden Links. Ich hatte sogar erst auf deiner Seite danach geschaut, weil ich mir sicher war auch auf hier bereits etwas zu dem Thema gelesen zu haben. Allerdings war mein Fehler nicht unter den Fremdtexten zu suchen.

Den zweiten Artikel halte ich ebenfalls für sehr überzeugend. Danke dafür! Ma Malakat Aymanukum muss also kontextbezogen verstanden werden. Im Falle von 24:33 wären aus meiner Sicht also "Bedienstete", "Diener" und auch aus vorkoranischer Zeit übriggebliebene "Sklaven" zu verstehen, d.h. Menschen, die finanziell abhängig von einem sind, und für die man zu sorgen hat. Auf Sklaven allein würde ich es nicht beschränken. Je nach dem, was mit "fakātibūhum" genau gemeint ist, würde ich noch unselbständige Söhne und Töchter miteinschließen . In 4:25 wird ja auch die Erlaubnis der Eltern verlangt, welche eben ein solches Dokument sein könnte.

wa salam.
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0 # wa mamalkat aymanokomlatifa 2011-11-30 17:05
Ich möchte auch mal über die übersetzung " wa ma malkat aymanokom" was sagen . erstens es gibt keine sklaven im islam und der koran hat auch nie sklaven gemeint .ich hab nämlich viele verschiede defintionen dieses wortes gelesen .
am besten fand ich die erklärung einen sehr berühmten prediger der heisst ADNAN Rifaii , der sagte dass -ma malkat aymanokom- bedeutete unter anderem die nicht moslems ( christen + juden) ; d.h Moslems dürfen nicht- moslems heiraten (In Sure 24 Vers 33 lesen) und -ma malkat aymanokom- bedeutet auch die Menschen die finanziell abhängig von einem sind, ich fand seine erklärung logisch .
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