Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Zakat im Koran

Definition:

Der Begriff Zakat bedeutet übersetzt Reinheit bzw. Reinigung. Diese Reinigung steht in direktem Zusammenhang mit dem Begriff Sadaqa (Spende). Dies ergibt sich aus dem Vers 103 der Sure 9:

"Nimm aus ihrem Vermögen eine Almosengabe (sadaqa), um sie damit rein zu machen und zu läutern (tutahhiruhum wa-tuzakkiehim bihaa), und sprich den Segen über sie (salli `alaihim)! Dein Segen (salaat) ist eine Beruhigung für sie. Allah hört und weiß (alles). -" (Paret)

 


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Wissen und Taten

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SchwachPerfekt 

Ich beschäftige mich seit 1999 mit dem Islam. Im Laufe meines Studiums habe ich mich auf die Inhalte des Koran spezialisiert. Das sind bislang also fast 13 Jahre, in denen ich mich mit dem, was der Islam bzw. der Koran als ideale Lebensweise anstreben auseinandersetze. Ohne eingebildet klingen zu wollen: ich denke, ich weiß eine ganze Menge darüber. Die Frage, die sich mir aber immer öfter stellt:

 

 

Bin ich deswegen ein besserer Mensch? Und ich muss zu meinem Bedauern sagen: nein, das bin ich nicht. Es ist die eine Seite, etwas zu wissen und die andere, Wissen umzusetzen. Doch ist der Glauben ohne Taten wertlos. Ich habe nichts erreicht.

Nichts ist natürlich falsch. Man verändert sich immer, aber es sollte einfach mehr drin sein, als die üblichen Veränderungen, die ohnehin jeder Mensch in seinem Leben durchmacht. Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Der Koran lehrt:

Und wenn euch ein Gruß entboten wird, dann grüßt mit einem schöneren (zurück) oder erwidert ihn. Gewiß, Allah ist über alles ein Abrechner.(Sure 4 Vers 86)

واذا حييتم بتحية فحيوا باحسن منها او ردوها ان الله كان على كل شىء حسيبا

Mal ehrlich: wann machen wir das? An hohen Feiertagen vielleicht oder aus Gewohnheit in unserer Gemeinschaft oder moderner: in unserer Community, also bei den Menschen, denen wir meinen etwas zu sagen zu haben. Die anderen Menschen fallen dabei hinunter.

Gerade erst heute lief ich nach Hause und da fuhr ein Mann auf seinem Fahrrad an mir vorbei. Er grüßte etwas verwaschen "Morgen!". Ich brachte nicht mehr als dasselbe heraus. Viel zu spät - fraglich, ob er es überhaupt noch hörte. Ich kenne den Mann nicht. Aber in Gottes Augen habe ich hier eindeutig versagt. Ich war also nicht das Vorbild, die Lichtgestalt, die ich vielleicht gerne wäre - in meinen Träumen. Ich habe mich nicht unterschieden von zig anderen Menschen. Und mal ehrlich: geht es Ihnen anders? Wirklich? Dann zolle ich Ihnen den größten Respekt, denn Sie stehen weit über mir.

Und so ist es mit vielem. Wir sonnen uns in der Kenntnis, wie es geht und sind dabei nicht in der Lage, dies auch umzusetzen, unserem Anspruch gerecht zu werden.

Aber es geht auch anders: vor einigen Tagen ging ich zu Mr. Minit (eine Instanz!) und ließ meine Armbanduhr reparieren. Ich hatte gute Laune (vielleicht bildete ich mir dies auch nur ein) und grüßte mit einem breiten freundlichen Lächeln: "Hallo! Können Sie vielleicht meine Uhr reparieren?" - Die Reaktion war ernüchternd: "Ja". Ohne die Gesichtszüge auch nur ansatzweise zu verziehen wurde mir geantwortet. Modell Hush Puppy - nur ohne die Augen.

Ich bin alt genug in so einem Moment vollkommen locker zu bleiben. Aber innerlich war ich angepisst. Wieso hat dieses Subjekt mir nicht die gleiche Freundlichkeit gezeigt, wie ich ihm? Erst mit etwas Abstand kann ich sagen: schlechter Tag, von der Frau verlassen, unterbezahlt, Intimpilz, Lues, Fußpilz oder was weiß ich für Gründe. Ich kenne den Mann nicht und erwarte, dass er für mich ein Schauspiel abliefert, wo ich doch selbst oft genug nicht die Freundlichkeit zeige, die ich an den Tag legen sollte.

Und so geht e ja dauernd. Immer gibt es einen Grund weswegen man nicht sein Optimum erreicht. Grund oder Entschuldigung? DAS ist hier die Frage. Meist ist es doch nur eine Entschuldigung dafür, dass man seinen Hintern nicht hoch kriegt um sich mal so zu benehmen, wie man es dauernd voneinander erwartet.

Ich glaube, wir erwarten auch zu viel. Wieso sollen andere Menschen bitteschön besser sein, als wir? Wir haben doch alle dieselben Nöte und Sorgen. Dieselben Ängste. Merken wir nicht, dass wir in unserem Leben gefangen sind und es nur den wenigsten gelingt wirklich mal über den Tellerrand zu schauen? Versteht der gemeine Moslem den gemeinen Katholiken? Oder prallen da Welten aufeinander, die bereits am eigenen Anspruch scheitern und dieses Scheitern zur zu gerne dem Anderen anlasten?

Ich nehme mich von all dem nicht aus. Mein eigenes Fehlverhalten ist Ursache dieses Textes für den ich mich eigentlich schämen müsste, weil er meine eigene Unzulänglichkeit demonstriert. Es würde mich jedoch auch ärgern, wenn nun jemand meint sich ob dieses Zugeständnisses über mich erheben zu müssen, denn letztlich ist es immer eine Frage der Perspektive und der Umstände. Nur weil ich dem Bettler an der Ecke Geld zuschiebe bedeutet dies nicht, dass ich demgegenüber, der dies nicht tut hochmütig sein sollte. Was ich dennoch vielleicht bin?

Gott sagt:

Allah will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.  (Sure 4 Vers 28)

يريد الله ان يخفف عنكم وخلق الانسن ضعيفا

Doch ich arbeite an mir. Ich mag schwach sein, aber ich will stärker werden. Und das sollten wir alle. Nur starke Menschen können die Zukunft zum besseren wenden. Für sich und andere!


Kommentare  

 
+1 # Wissen und TatenRalf Biermann 2012-09-22 00:09
Salam Alaikum.

Ich meine, es steht irgendwo sinngemäß geschrieben, dass jeder Mensch verblasst in Anbetracht der Herrlichkeit des Herrn. Ich selbst verhalte mich genau so wie oben beschrieben. Ausnahmen gibt es aber, wenn ich beispielsweise eine mentale Phase habe, in der sich mein Glauben ziemlich steigert. Nur in so einer Phase bin ich arbeitsunfähig, nehme also nicht wie vor am Alltag teil. Es scheint, daß sich das normale Leben nicht mit einem überdurchschnit tlichen Glauben vereinbaren läßt. Auch ich habe noch viel zu lernen. Kein Grund zur Trübsal, dafür bilden wir eine Glaubens-Gemeinschaft, um uns gegenseitig aufzubauen.

viele Grüße
Ralf
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+1 # interessantPhilos 2012-09-23 21:48
Slm Andreas,
danke fuer deinen ehrlichen und offenen Text.

@Ralf. Interessant Bei mir ist es genau das Gegenteil, wenn ich die Gnade der Naehe Gottes erfahre muss ich diese ganze Energie irgendwie umsetzen- und das passiert bei mir gerade in Taten.
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+1 # Sehr schönFreund 2012-09-24 02:17
Selam Andreas

Zunächst: ich verfolge diese Seite schon lange, mir gefallen die Diskussionen und Texte die den Islam und seine Eigenschaften auch mal hinterfragen. Ich selbst habe als Muslim auch keine Problem damit wenn man meine Religion und ihre Ausübung genauer erforscht.

Zu deinem Text hier: selbstkritisch zu sein ist wichtig, nur so kommt man weiter. mit dieser Eigenschaft hebst du dich nach meiner Meinung von 80% der Mitmenschen ab. Die Fragen die du hier stellst stelle ich mir auch sehr oft...

viele Grüße
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+1 # Sehr wichtiger TextRumi 2012-09-24 21:22
Der Text zeigt deine demut vor Gott und ist sehr gut gelungen super! Weiter so bitte!

Waslm Rumi
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0 # perfekt?zoom 2012-09-28 18:41
Selam bruder Andreas
Eine sehr schöne beobachtung ,das gute ist eben auch das der Al-Einige einige leitet ,ohne diese gleich zu bestrafen für ihre fehler.Es sind solche erketnisse die uns vor unseren herrn demütigen.
Ja nur er ist perfekt und wer auf ihn allein vertraut ,mit der besten Absicht ist auf sein Wohlgefallen,di eser entscheidet immer richtig.Es sind eben auch die Wege die man manchmal gehen muss .karma eben.

Der herr zeigt uns im grunde genommen das resulatat unserer geistigen Einstelung.Er hatt uns im grunde schon geprüft wir sehen nur für was wir uns entschieden.

Oh herr rette uns in deine Albahrmherzige Gnade vor deiner Almächtigen Gerechtigkeit.
Den auf wenn deine gerechtigkeit fällt ,dieser ist verloren.Und wer im schutze deiner gnade ist ,der ist gerettet.
wa selam zoom
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0 # Gut formuliertmuslima 2013-10-14 22:05
Dein Beitrag hat mir geholfen.
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0 # 4,86cairn 2015-08-05 03:29
Und wenn euch ein Gruß entboten wird, dann grüßt mit einem schöneren (zurück) oder erwidert ihn. Gewiß, Allah ist über alles ein Abrechner.(Sure 4 Vers 86)

Und schon ist die Bedrohung da.
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0 # schwach erschaffencairn 2015-08-05 03:33
Ich bin als Niete geschaffen und soll das jetzt ausbügeln ?
Besser vorarbeiten mein Guter, dann gibts auch nichts zu meckern.
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