Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Das Gebet im Koran

Im orthodoxen Islam ist man der Ansicht, dass der Koran nicht ausreichen würde, um das Gebet zu beschreiben. Daher greift man diesbezüglich auf die Ahadith zurück. Dies geht einher mit dem Gedanken, die Durchführung des Gebets müsste wie eine Gebrauchsanweisung in allen Einzelheiten beschrieben sein, ohne bzw. mit nur ehr wenig individuellen Möglichkeiten. Dies ist für sich betrachtet in sich schlüssig und korrekt. Es ist jedoch ein Irrtum anzunehmen, dass es nicht auch anders ginge und eben...


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Köln: Eindrücke von Teilnehmern der Gegendemonstration. Von Yasin Alder

(iz) Der großspurig angekündigte europaweite „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsradikalen Gruppierung „Pro Köln“ am 19. und 20. September war eindeutig ein Misserfolg für die Rechten. Nachdem die Teilnehmerzahlen auf Seiten der Islamgegner weit unterhalb von deren Erwartungen geblieben waren und eine geplante „Stadtrundfahrt“ der Rechten in von vielen Muslimen bewohnte Stadtteile nicht stattfinden konnte, wurde auch die zentrale Veranstaltung auf dem Kölner Heumarkt letztlich von der Polizei verboten - aus Sicherheitsgründen. Nur rund 50 Pro Köln-Anhänger hatten sich auf dem Heumarkt eingefunden – 1.500 waren von den Organisatoren erwartet worden. So blieben die wenigen Pro Köln-Vertreter ziemlich allein vor ihren großen „Stop Islam“-Plakaten stehen. Die Kölner Bevölkerung hat mehrheitlich ganz klar gezeigt, dass sie die Rechtsradikalen ablehnt und durch deren Anti-Islam-Proaganda nicht den gesellschaftlichen Frieden und das Zusammenleben gestört haben will. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte denn auch: „Wann hat es das schon einmal gegeben, dass sich eine ganze Stadt schützend vor ihre Muslime stellt?“ Und Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte, die Kölner hätten „mit Herzblut, Witz und Intelligenz“ gegen „rassistischen Schwachsinn“ protestiert und den sogenannten Anti- Islamisierungskongress der Rechten dadurch zu einer „Pleite erster Klasse“ werden lassen.


Es hätte allerdings nicht des Verbotes der Polizei bedurft, um das Ganze zu einem Fiasko für die Rechtsradikalen werden zu lassen. Die schätzungsweise rund 7.000 Gegendemonstranten und Redner, darunter viele Kölner Prominente und Musiker, haben auch ohne dies ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Die Rechten können so nun mittels des Verbots als Aufhänger versuchen, sich in eine Märtyrerrolle zu stellen, sprechen von einem Versagen der Polizeiführung und dass man ihnen ihre demokratische Meinungsfreiheit vorenthalten hätte. Auslöser des Verbots waren einige linksradikale Demonstrationsteilnehmer, die wieder einmal nicht auf Gewalt gegen die Polizei verzichten konnten. Die Mehrheit der linken Demonstranten, überwiegend junge Leute, waren jedoch friedlich.

Ali Bas (32), Sprecher beim Arbeitskreis Grüner MuslimInnen innerhalb der GRÜNEN in NRW, war von der Zahl der Gegendemonstranten positiv beeindruckt. Nur die Zahl der muslimischen Teilnehmer hätte höher sein können, meint er, auch was deren aktive Beteiligung am ganzen Programm betreffe. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass unter den hiesigen Muslimen keine ausgeprägte Demonstrationskultur gibt und die Demonstration als Protestmittel keine wirkliche Tradition hat, auch wenn in den DITIB-Moscheen der Region zur Teilnahme aufgerufen worden war. Am Freitag hatte sich eine Menschenkette aus Muslimen und Nichtmuslimen um die DITIB-Moschee an der Venloer Straße gebildet, die dem Pro Köln-Bus, der letztlich doch nicht kam, symbolisch etwas entgegen zu setzen. Dass Muslime und linke Gruppen gemeinsam demonstrieren, kommt sicherlich nicht allzu oft vor. „Es gab schon Kontakt untereinander, die Leute waren sehr freundlich“, sagt Ali Bas von den Grünen MuslimInnen. „Die Grundstimmung uns Muslimen gegenüber seitens der anderen Demonstrationsteilnehmer war auf jeden Fall positiv.“ Unter den linken Gegendemonstranten versuchten nur ganz wenige, zumeist aus „antideutschen“ Splittergruppen, ihren Protest gegen die Rechten mit Kritik am Islam zu verbinden. Seitens der offiziellen Redebeiträge war dies aber nicht zu erkennen, sagt Ali Bas. „Ich glaube, den meisten linken Gruppen die da waren, auch Leute, die mit Religion gar nichts anfangen können, ging es sicher hauptsächlich darum, dass es Rechtsradikale sind, die sich da treffen und man denen wie bei jeder anderen Kundgebung von Rechtsradikalen entgegen treten muss. Dass es dabei auch um Muslime geht, war einigen Leuten wohl eher sekundär“, lautet seine dennoch nüchterne Einschätzung. Auch Aleviten und linke türkische und andere Migrantengruppen waren unter den Gegendemonstranten - auch dies eine äußerst ungewöhnliche Konstellation.

„Man hat zum ersten Mal einen gemeinsamen Nenner gehabt“, meint Bacem Dziri von Rat der muslimischen Studenten und Akademiker. „Man hat gemerkt, dass die Stadt Köln als ganzes dahinter stand. Es waren viele Leute da, die durch die Musik oder die typisch Kölschen Elemente des Programms angesprochen wurden, und das ist auch gut so.“ Zur Frage, ob man nicht den Rechten zu viel Aufmerksamkeitn und damit Publicity geschenkt hat, meint Ali Bas: „Dadurch, dass sie angekündigt hatten, die ganze 'Elite' des Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa hier nach Köln zu holen, war die Reaktion, die von den Kölner Bürgern kam, sehr angemessen. Man muss ihnen ganz klar zeigen, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung damit nicht einverstanden ist. Der Protest hätte aus meiner Sicht sogar noch größer sein können.“ Samir Fetic (35), ebenfalls bei den Grünen MuslimInnen NRW, hat besonders gefallen, dass von den Gewerkschaften über die Parteien, den Oberbürgermeister Schramma (CDU) und andere ein breites bürgerliches Spektrum vertreten war. „Nicht so gut gefallen hat mir, dass die muslimischen Verbände wenig präsent waren. Man hätte sich da mehr einbringen können, da es ja eine Sache ist, die uns alle betrifft. Einige aus dem DITIB-Umfeld kamen mit türkischen Fahnen, was auch dazu führen kann, dass einige ihre Vorurteile gegenüber den Muslimen eher noch bestätigt sehen. Aber ich fand es trotzdem gut, dass sie dabei waren.“ Besonders viele junge Menschen und Schüler seien vertreten gewesen, was ein besonders gutes Zeichen sei. „Es war wie ein Festival, an dem Menschen jeden Alters und jeder Bevölkerungsschicht, Migranten und Nichtmigranten, teilgenommen haben“, meint Abdurrahman Kol (49), der aus Aachen angereist war. Er habe auch viele ältere Muslime gesehen.

Die Sozialpädagogin Tahira Gabriele Güldiken hat am Freitag an der Menschenkette vor der Moschee teilgenommen. „Es hat mich beeindruckt, dass so viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen dabei waren, und auch einfach Bürger, die keine Lust haben, noch einmal die Anfänge eines totalitären Regimes zu erleben. Ein älteres Ehepaar sagte mir, sie hätten diese Zeit schon einmal erlebt und wollten nicht, dass noch einmal die Faschisten im Land Fuß fassen“, erzählt sie. „Sehr schön fand ich auch die Aktion mit den Luftballons unter dem Motto 'Köln ist bunt'.“ Es seien sogar mehr Nichtmuslime als Muslime vor der Moschee gewesen. Muslime aus anderen Ländern als der Türkei habe sie, abgesehen von einigen deutschen Muslimen, allerdings vermisst, was sie sehr schade findet.

In der Kölner Lokalpresse, namentlich dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der sich ansonsten in der Debatte um die neue DITIB-Moschee und beim Thema Kritik am Islam - aus muslimischer Sicht - nicht gerade ausgesprochen freundlich zeigt, wurden die Demonstrationen positiv gewürdigt, aber auch sehr darauf geachtet, anzumerken, dass jetzt die Kritik am Islam dadurch nicht in den Hintergrund geraten dürfe. Auch wurden die Ausschreitungen seitens linksautonomer Gruppen ausführlich hervorgehoben. In einer Live-Sendung im WDR-Hörfunk am Samstag traten denn auch leider seitens etlicher Anwesender aus der Kölner Bevölkerung wieder erschreckende Vorurteile und Intoleranz gegenüber Islam und Muslimen zu Tage. Trotz dieser zwei Tage des erfolgreichen Protests, der sicher ein positives Zeichen gesetzt hat: Mit dem Thema Islam-Feindlichkeit, das gerade von rechtspopulistischer, aber auch konservativer Seite für ihre Zwecke entdeckt worden ist, wird man wohl auf absehbare Zeit weiter zu tun haben. „Ich möchte daher die Muslime aufrufen, wachsam zu sein und sich auch Bündnispartner zu suchen, sich aktiv zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu engagieren“, sagt Ali Bas.

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