Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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In der Schweiz siegt die Bigotterie

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Indem sie dafür stimmt, den Bau von Minaretten zu verbieten, äfft die Schweiz die Extremfälle der Intoleranz in der muslimischen Welt nach

 

In der Schweiz siegt die Bigotterie


AUTOR:  Juan COLE

Übersetzt von  Hergen Matussik


1. Dezember 2009,

Salon  Swissinfo gibt am Montag Morgen einen Überblick über die Titelseiten  in der Schweiz und findet, daß die Presse dort einstimmig das Ergebnis der Volksabstimmung verurteilt und Entsetzen über die Abstimmung am Sonntag äußert. Redakteure zeigten sich konsterniert über die unvermeidliche Beschädigung des Ansehens der Schweiz und besorgt über die Konsequenzen. Wird es Boykotte geben? Sanktionen? Wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte angerufen werden?

Schon jetzt sehe ich die Argumente, mit dem dieser Ausbruch von Bigotterie in den Alpen entschuldigt werden soll, vorgetragen vom rechten Lager, von den Neokonservativen und jenen, die denken - ohne zu wagen, dies auszusprechen - daß die „weiße Kultur“ allen anderen Zivilisationen der Welt überlegen ist und es verdient, die anderen Kulturen zu dominieren oder sie zu beseitigen. 

Das erste Argument wird sein, daß  es nur natürlich ist, daß weiße christliche Europäer fürchten, von Menschen überlaufen werden, die fremden, nicht europäischen Religionen anhängen.

Es heißt, daß 5 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz Muslime sind. Natürlich ist dieses Verhältnis ein neueres Phänomen und für einige deshalb unheimlich. Aber der Islam ist in Europa nichts Neues. Teile des Landes, das jetzt Spanien heißt, waren über 700 Jahre lang muslimisch. Weite Teile im Osten des Gebietes, das sich jetzt Europäische Union nennt, wurden über Jahrhunderte von Muslimen regiert und hatten bedeutende muslimische Bevölkerungsanteile. Cordoba und Sarajewo liegen nicht in Asien oder Lateinamerika, sondern in Europa. Und diese Städte entwickelten sich im Herzen der muslimischen Zivilisation.

Die europäische Stadt Cordoba wurde im Mittelalter folgendermaßen beschrieben(http://www.muslimheritage.com/topics/default.cfm?ArticleID=454):

Über Jahrhunderte war Cordoba das Juwel Europas, das Besucher aus dem Norden mit Bewunderung erfüllte. Die Besucher staunten über das, was ihnen als außergewöhnlicher allgemeiner Wohlstand erschien. Man konnte zehn Meilen weit im Schein von Straßenlaternen reisen, entlang einer ununterbrochenen Reihe von Häusern und  Gebäuden. In der Stadt soll es damals 200.000 Häuser, 600 Moscheen und 900 öffentliche Bäder gegeben haben. Über den ruhigen Strom des Guadalquivir erbauten arabische Ingenieure eine große Brücke aus Stein mit insgesamt 17 Bögen, von denen jeder 50 Spannen maß. Eines der frühesten Projekte von Abd al-Rahman I. war ein Aquädukt, das reichlich frisches Wasser für die Häuser, Gärten, Brunnen und Bäder nach Cordoba brachte.

Wenn die Schweizer also der Meinung sind, daß der Islam in Europa fremd ist, dann denken sie an ein ziemlich kleines Europa, und nicht an jenes, das gegenwärtig besteht. Minarette zierten Cordoba. Die Arnaudia-Moschee in Banja Luca entstand im 15. Jahrhundert - sie wurde zusammen mit Dutzenden anderer Moscheen von Fanatikern in dem Bürgerkrieg zerstört (http://www.balkaninsight.com/en/main/news/23496/), der das Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 1990er Jahren begleitete.

Was die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung des Umstandes angeht, daß Muslime im siebten Jahrhundert als Eroberer kamen, ganz anders als die Christen, so ist zu sagen, daß es sich in beiden Fällen um Staatsreligionen mit Eroberungsanspruch handelt. Es war der Übertritt eines Kaisers, der für die bevorzugte Stellung des Christentums in Europa sorgte, dem damals nur eine Minderheit auf dem Kontinent anhing. Karl der Große zwang den Stämmen bis zur Elbe das Christentum auf. Und in beiden Fällen, sowohl bei der  christlichen Religion als auch beim europäischen Islam gab es viele willige Konvertiten, die sich begeistert den Botschaften von Wanderpredigern oder schönen Gesängen hingaben. 

Andere werden behaupten, daß  Muslime den Christen in ihrer Mitte keine Religionsfreiheit gewähren. Zuallererst ist zu sagen, daß diese Behauptung nicht wahr ist, wenn wir uns die gesamte Palette der Länder ansehen, in denen die 1,5 Milliarden Muslimedieser Welt leben. Unter den ungefähr 60 Staaten, in denen Muslime die Mehrheit der Bevölkerung stellen, verbietet nur ein einziges den Bau von Kirche: Saudi Arabien. Will die Schweiz wirklich wie Saudi Arabien sein?

Hier ist eine westliche und christliche Beschreibung der Situation der Christen in Syrien:

In Syrien wird wie in allen anderen Staaten des Nahen Ostens, mit Ausnahme von Saudi Arabien die Freiheit der Religion durch das Gesetz garantiert ... Wir möchten unterstreichen, daß die christlichen Kirchen in Syrien und in mehreren anderen Ländern der Region mkostenfrei mit Wasser und Strom versorgt werden, von verschiedenen Steuern befreit sind und auch die Möglichkeit haben, Baugenehmigungen für den Neubau oder die Instandsetzung von Kirchen einzuholen. (In Syrien wird das Land für solche Bauten vom Staat zur Verfügung gestellt.)

Es sollte auch erwähnt werden, daß es in Syrien und anderen Ländern christliche Parlamentsabgeordnete und christliche Mitglieder der Regierung gibt. In manchen Ländern wie etwa dem Libanon und Jordanien ist hier eine feste Zahl vorgegeben.

Abschließend stellen wir fest, daß am 18. Juni 2006 für die verschiedenen christlichen Kirchen in Syrien ein neues Personalstatut verkündet wurde, das sowohl der Intention als auch dem Wortlaut nach die meisten Bestimmungen des kanonischen Rechts der östlichen Kirchen wiederholt, wie es von Papst Johannes Paul II. verkündet wurde.

Das bedeutet, daß die Regierung des mehrheitlich muslimischen Landes Syrien Christen Land für den Bau ihrer Kirchen, kostenloses Wasser und  Elektrizität zur Verfügung stellt. Christen haben ihr eigenes Personalstatut, wie es vom Vatikan formuliert wurde. (Weil die Christen im Nahen Osten ihre eigenen Rechtsvorschriften haben sind die Muslime im Westen so verwundert, daß sie nicht nach ihren eigenen Rechtsvorschriften leben können.) Die Christen haben Religionsfreiheit, obwohl es Empfindlichkeiten im Hinblick auf Bekehrungsversuche (wie überall im Nahen Osten, Israel eingeschlossen) gibt. Und Christen sind in der Legislative repräsentiert. Angesichts der 5 Prozent Muslime in der Bevölkerung der Schweiz fragt sich, wieviele muslimische Parlamentsabgeordnete es dort gibt? 

Es wird auch eingewendet werden, daß  einige Geistliche in Ägypten Fatwas oder Rechtsgutachten abegeben haben, nach denen der Bau christlicher Kirchen Sünde ist und man wird argumentieren, daß in Oberägypten Christen von Muslimen attackiert wurden.

Diese Argumente haben keinen Bestand. Man kann nicht das Verhalten einiger muslimischer Fanatiker im ländlichen Ägypten mit den Gesetzen und Idealen der Schweizer Republik vergleichen. Wir müssen ägyptisches Recht und ägyptische Politik zum Vergleich heranziehen.

Der Groß-Scheich des Seminars von al-Azhar, dem führenden sunnitischen Zentrum für muslimische Lehren „erklärte in Äußerungen, die von der ägyptischen Tageszeitung Youm al-Saba‘a, daß Muslime freiwillige Beiträge zum Bau von Kirchen leisten können, wobei er hervorhob, daß eine Kirche ein Haus des Gottesdienstes und der Toleranz ist.“ (http://bikyamasr.wordpress.com/2009/08/24/bm-news-donating-to-churches-ok-says-egypt-sheikh-tantawi/) Er verurteilte die fundamentalistischen Muslime für ihre Behauptung, der Bau von Kirchen sei Sünde. In Ägypten gibt es viele Kirchen, darunter neue Presbyterianische Kirchen, die den Lehren von Johannes Calvin folgen der, ich glaube in ... Genf gelebt hat. Ungefähr sechs Prozent der Bevölkerung Ägyptens sind Christen.

Ein weiteres Problem damit, die Schweiz mit dem Hinweis auf die unzureichende Beachtung der Menschenrechte durch die Muslime zu entschuldigen, ist der Umstand, daß das Unrecht des anderen aus dem eigenen Unrechtkein Recht macht. Die bigotte Rechte hat noch nicht einmal das moralische Verständnis von Kindern im Vorschulalter, wenn sie mit diesem Argument aufwartet.Die Internationale Erklärung der Menschenrechte wurde unter Beteiligung Pakistans, einem muslimischen Land, verfaßt. Gegenwärtig wird sie in allen Ländern nur unvollkommen beachtet - es ist eine Absichtserklärung im Hinblick auf die Haltung der Welt, etwas, nach dem wir alle streben sollten. Wenn die Schweiz von dieser Erklärung abgerückt ist, dann bezieht sich das auf die gesamte Erklärung. Es hilft uns nichts bei dem Bemühen, die Menschenrechte zu verwirklichen, wenn wir sagen, daß unsere Mißachtung derselben in Ordnung ist, weil die anderen sie auch nicht beachten.

Der zweite Wahhabi-Staat außer Saudi Arabien, Qatar, hat den Bau christlicher Kirchen erlaubt. Aber sie dürfen keine Kirchtürme und keine Glocken haben. Diese Politik ist das Spiegelbild der Politik der Schweiz. Damit hat die Schweiz nach Jahrhunderten deBemühungen um Zivilisation und Aufklärung ungefähr das gleiche Niveau an Toleranz erreicht wie ein kleines Land am persischen Golf, in dem eine höchst rückständige Auslegung des Islam gilt und dessen Bewohner noch vor einhundert Jahren überwiegend Beduinen waren.


 


Bilder von der Kampagne der

Initiative gegen Kriegsmaterial-Exporte. In der Volksabstimmung, die auch am 28. September stattfand, stimmten 68% gegen Verbot von Kriegsmaterialexporten.

 


Quelle: http://salon.com/news/opinion/feature/2009/11/30/swiss/index.html

Originalartikel veröffentlicht am 30.11.2009

Über den Autor

Hergen Matussik ist ein Mitglied von
Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:
http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9435&lg=de



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