Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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Der Islam ist kein Monotheismus

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Hätten Sie's gewusst? Der Islam ist kein Monotheismus! Sagt jedenfalls Dr. Christoph Heger in einem Artikel, für den er sich die Mühe gemacht hat, nicht nur selbigen zu verfassen, sondern auch noch auf seiner Website zu präsentieren.

 

Der Artikel ist hier zu finden: http://www.christoph-heger.de/istder~1.htm

 

Im Folgenden möchte ich daraus zitieren und zeigen, wo die intellektuellen Schwachstellen liegen, wobei ich mir damit keineswegs die Aussage, dass der Koran unerschaffen sei, zu eigen machen will.

Nein, das ist er entgegen allgemeiner Behauptung nicht! Zumindest nicht nach dem Credo der bei weitem überwiegenden Zahl der Muslime, für das Autoritäten stehen wie Ahmad ibn Hanbal (+ 855), das Haupt einer der vier kanonischen Rechtsschulen, und Abu l-Hasan al-Asch‘arî (+ 935), der Theologe mit der wohl größten Nachwirkung im sunnitischen Islam. Nach diesem Credo ist der Koran nicht nur ewig, sondern vor allem unerschaffen (arabisch: ghayr mahlûq). Was genau unter dem Namen "Koran" unerschaffen sein soll, etwa jene "wohlverwahrten Tafeln" des Korans im Himmel (arabisch: lauH maHfûZ, Koran 85,22) oder – wie Ibn Hanbal einschärfte – sogar die arabischen Laute des irdischen Vortrags, ist hierbei gleichgültig. Jedenfalls bekennt dieses Credo ein unerschaffenes (im philosophischen Fachbegriff: nicht kontingentes) Wesen, das nicht Allah ist, mithin ein zweiter Gott.

Wer die Argumentation der traditionellen islamischen Gelehrten kennt, der weiß jedoch, dass es eben nicht egal ist, was genau unter dem Namen "Koran" unerschaffen sein soll. Werfen wir dazu einen Blick in die Lehren eines weiteren anerkannten Gelehrten, nämlich Abu Hanifa. Dieser schreibt in seinem Kitab al-Wasiyya (http://www.marifah.net/articles/wasiyya-abuhanifa.pdf):

Wir bestätigen, dass der Qur’an die Rede Allahs ta'ala (Kalam Allah) ist, unerschaffen,
Seine Eingebung, Seine Offenbarung, Seine Eigenschaft.Er [der Qur’an] ist weder Er [Allah
ta'ala], noch ist er irgendetwas anderes als Er, aber er ist seine Eigenschaft in Wahrheit. Er
ist in Exemplare/Kopien geschrieben, von den Zungen rezitiert, in den Brüsten bewahrt,
dennoch nicht [einfach] eine [vergängliche] Aussage in ihnen. Buchstaben, Papiere und
Schriften, sie alle sind erschaffen, da sie die [Ergebnisse der] Handlungen von Geschöpfen
sind. Die Rede von Allah ta'ala ist unerschaffen, denn das Schreiben, die Buchstaben,
Wörter und Verse sind Andeutungen des Qur’an, eine Erforderlichkeit für die Geschöpfe.
Die Rede Allahs ta'ala existiert in seinem Wesen und die Bedeutung von ihr wird durch diese
Dinge verstanden.
[Briefe, Worte, schreiben etc.] Also ist jeder, der sagt, dass die Rede Allahs
ta'ala erschaffen ist, ein Ungläubiger gegenüber Allah ta'ala. Allah ta'ala wird angebetet.
Er hat nich damit aufgehört zu sein was Er war. Seine Rede wird rezitiert, geschrieben und
bewahrt, ohne dass sie von Ihm getrennt wird.

Deutlich ist zu verstehen, dass mit der Aussage, dass der Koran unerschaffen sei gemeint ist, dass der Inhalt bei Allah existiert und erst die Offenbarung ihn in die Ebene des Menschen brachte, weswegen er ja dennoch bereits von Anfang an in Allah war. Das ist in etwa so zu verstehen, wie der Inhalt dieses Artikels bereits gestern in mir war, nur dass ich als Mensch mir dessen nicht bewusst bin und andere Menschen diesen Artikle erst lesen können, wenn ich ihn verfasst habe.

Dr. Heger folgert nun aus seiner fehlerhaften Interpretation (über das Selbstverständnis der Sunniten scheint er nicht geforscht zu haben) noch einen weiteren Gott, nämlich Jesus:

Vor allem aber führt diese Art theologischer Begründung zwangsläufig auf einen dritten Gott: Jesus ist dem Koran zufolge "das Wort Allahs" (Koran 4,171: "der Bote Gottes und sein Wort", arabisch: rasûlu llâhi wa kalimatuhu, also nicht etwa nur "ein Wort Allahs"). Nach der Logik der Asch‘ariten muß er damit unerschaffen, mithin ein (dritter) Gott sein, wenngleich diese das ausdrücklich abstreiten.

Das mag für den unbedarften Leser zunächst spannend klingen, wird demjenigen, der sich intensiv mit Koranexegese beschäftigt jedoch eher lächerlich anmuten, denn der angegebene Vers liest sich bei Paret so:

Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, außer der Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist (nicht Gottess Sohn.) Er ist nur der Gesandte Gottess und sein Wort (kalima), das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (solches zu sagen! Das ist) besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört, (vielmehr alles), was im Himmel und auf Erden ist. Und Gott genügt als Sachwalter. (Paret)

Das liest sich denn doch anders, denn es klingt weniger nach einem eigenständigen Wesen, sondern nach einem Akt der Erschaffung im Sinne von: Jesus wurde also Wort vom Geiste Gottes der Maria gegeben, wodurch er entstand. Auch stellt die Übersetzung des Begriffes "Kalimah" eine tendenziöse Verfälschung dar, die dem Verständnis Hegers zwar Vorschub leistet, aber eben von den sunnitischen Gelehrten deswegen nicht geteilt werden muss. Exemplarisch möchte ich aus dem Tafsir der SKD-Bavaria zitieren:

Das heißt, durch Sein Wort geboren. (Darjabaadi)

Er hat ’Isa as erschaffen durch den Befehl zum menschlichen Dasein, so wie an anderer Stelle im Qur’an gesagt ist: "Er erschafft, was Ihm gefallt. Wenn Er eine Sache beschließt, so spricht Er zu ihm: "Sei!", und es ist." (Suura 3:47). Dieses schöpferische Wort gab Er Marjam ein und schuf damit ’Isa as ohne leiblichen Vater, so wie Er Adem, Gottes Segen und Frieden auf ihm, ohne Eltern geschaffen hat. (Qutb)

Während die Lehre der frühen Christen lediglich besagte, dass ’Isa as ohne Mitwirken eines Vaters durch Allahs Befehl geboren sei, wurden sie später durch die alexandrinische Philosophie so verleitet, dass sie zunächst "Kalima" كَلِمَ ("Befehl") mit "Wort Allahs" verwechselten, dieses dann mit "Logos" übersetzten und darauf die Logoslehre aufbauten, die sie dazu brauchte, daraus die Lehre von der Göttlichkeit ’Isas as herzuleiten. Auf diese Weise kamen sie zu der Auffassung, Allah habe sich selbst oder Seine Attribute in der Person ’Isa as offenbart. Vergleiche auch Johannes 1:1-14. (Mauduudi)

Tabari versteht unter "Kalima" die Ankündigung, die Allah durch den Engel an Marjam richtete, und Allahs Frohe Botschaft an sie. (Siddiqi)

Wie wir sehen teilt kein Exeget die Interpretation des Herren Physikers Heger, der sich in seiner Freizeit bei Pro-NRW engagiert (http://www.pro-nrw.net/?p=3631).

Zur näheren Betrachtung des Wortes "Kalimah":

http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume8/00000257.pdf

Aus Lane's Lexikon wird ersichtlich, dass der Begriff nicht unbedingt ein Wort an sich sein muss bzw. das Wort als Sache, sondern ein Akt der Kommunikation gemeint ist, nämlich das sprechen. Dieses kann in vielfältiger Art geschehen. Entsprechend finden wir bei Muhammad Asad die folgende Übersetzung:

O FOLLOWERS of the Gospel! Do not overstep the bounds [of truth] in your religious beliefs, and do not say of God anything but the truth. The Christ Jesus, son of Mary, was but God's Apostle - [the fulfilment of] His promise which He had conveyed unto Mary - and a soul created by Him. Believe, then, in God and His apostles, and do not say, "[God is] a trinity". Desist [from this assertion] for your own good. God is but One God; utterly remote is He, in His glory, from having a son: unto Him belongs all that is in the heavens and all that is on earth; and none is as worthy of trust as God.

Er kommentiert:

Lit., "His word which He conveyed unto Mary and a soul from Him". According to Tabari, the "word" (kalimah) was "the announcement (risalah) which God bade the angels to convey to Mary, and God's glad tiding to her" (a reference to 3:45) - which justifies the rendering of kalimatuhu as "[the fulfilment of] His promise". (See also surah 3 note 28.) As regards the expression, "a soul from Him" or "created by Him", it is to be noted that among the various meanings which the word ruh bears in the Qur'an (e.g., "inspiration" in 2:87 and 253), it is also used in its primary significance of "breath of life", "soul", or "spirit": thus, for instance, in 32:9, where the ever-recurring evolution of the human embryo is spoken of: "and then He forms him [i.e., man] and breathes into him of His spirit" - that is, endows him with a conscious soul which represents God's supreme gift to man and is, therefore, described as "a breath of His spirit". In the verse under discussion, which stresses the purely human nature of Jesus and refutes the belief in his divinity, the Qur'an points out that Jesus, like all other human beings, was "a soul created by Him".

Ich möchte an dieser Stelle mit dem Fazit enden, welches Dr. Heger für sich gewinnt:

Wer einmal Einblick genommen hat in die islamische Polemik gegen das Christentum, kennt deren Masche, die Darlegung der Heiligsten Dreifaltigkeit als eines Gottes für Wortgeklingel abzutun. Es besteht keine Notwendigkeit, sich in dieser Weise vorführen zu lassen: Das asch‘aritische Credo der weit überwiegenden Zahl der Muslime jedenfalls kennt zwar keine Dreifaltigkeit, dafür aber zweifellos drei Götter – auch wenn es Koran und Jesus Christus nicht wortwörtlich so nennt.

Während der Versuch, die Trinität (mit ihren drei unabhängig voneinander agierenden Wesenheiten) in der Tat zumindest wie "Wortgeklingel" erscheint, so hat sich Dr. Heger offenbar weder über die anerkannte innerislamische Koranexegese, noch über die Bedeutung, die die islamischen Gelehrten der Aussage vom "unerschaffenen Koran" beimessen, informiert. Anders ist dieses fehlerhafte Fazit nicht zu erklären.


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