Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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Was mich erschreckt...

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SchwachPerfekt 

Ich lese ab und an in anderen Foren um mich zu informieren. Dabei las ich kürzlich folgendes:

Und hier kommen wir zum nächsten großen Problem der Nur-Koraniten:
Damit das mit dem Nur-Koranitentum überhaupt funktionieren kann, muss man ein außerordentlicher Fachmann der arabischen Sprache sein. Weil die Nur-Koraniten keinerlei Hadithe annehmen, haben sie nämlich keine Hinweise auf die Bedeutungen der Verse und sind somit ausschließlich auf die Worte des Korans selbst angewiesen. Um diese auch nur ansatzweise zu analysieren, muss man jegliche Sprachwissenschaftliche Disziplin perfekt beherrschen. Wir haben bereits in mehreren Fällen gesehen, dass sie sogar, wenn sie die Verse auf deutsch nehmen, nicht alle Aspekte beachtet haben, sondern die Verse laienhaft und pseudotiefgründig interpretieren. Geschweige denn, man würde auch noch schauen, was im Arabischen Originaltext steht.
Und hier bricht das Nur-Koraniten-System wieder zusammen. Denn es ist sicherlich so, dass nicht jeder einzelne ein Sprachwissenschaftler höchsten Grades werden kann. Somit ist man darauf angewiesen, dass man jemand anderes glaubt. Woher will der Nur-Koranit aber nun wissen, ob dieser die Wahrheit sagt oder nicht nach seinen Neigungen die Worte so versteht, wie er es wünscht, obwohl er ein Sprachwissenschaftler ist? Denn genau hiermit haben sie argumentiert, weswegen sie nicht den Worten eines Gelehrten folgen könnten.

Ich muss sagen, dass mich dies ein wenig erschrocken hat.

 

 

Es hat mich deswegen erschrocken, weil durch die Hintertür und durch die Benutzung bestimmter Begrifflichkeiten versucht wird, ein System des blinden Glaubens zu etablieren. Derlei erachte ich für höchst problematisch, zumal ja selbst die Salafiten in der heutigen Zeit dem sogenannten Taqlid kritisch gegenüberstehen. http://www.salaf.de/manhadsch/PDF/Blindes%20Folgen/man0002_Das%20erlaubte%20und%20das%20blinde%20Folgen.pdf

 

Bei Schiiten ist dies offenbar anders und es ärgert mich, dass versucht wird, denen, die nur dem Koran folgen derlei Unsinn unterzujubeln. Zur Erklärung: das Zitat stammt aus einem schiitischen Forum, welches ich hier nicht verlinken möchte - und zwar aus Protest, weil dort gerne Zensur betrieben wird, wird Dinge aufgeworfen werden, die der vorherrschenden Meinung "unpassend" erscheinen.

 

Kommen wir aber nun zu dem Zitat:

 

Bereits die erste Aussage dürfte von jedem, der nur dem Koran folgt aufs heftigste bestritten werden. Man muss eben kein Fachman der arabischen Sprache sein:

 

Der erste Punkt im Studium des Koran ist verständlicherweise die Sprache. Die meisten der Muslime, die an der Schrift festhalten wollen, wurden unterrichtet, dass der Koran nur auf arabisch verstanden und vorgelesen werden und dass jede Übersetzung nicht die exakte Bedeutung wiedergeben könne. Es ist wirklich amüsant, dass die gleichen selbsternannten Gelehrten den Arabern sagen werden, dass der Koran "zu schwer" für sie zum Verstehen sei und dass sie das Verständnis den "Experten" überlassen sollten! Es sieht so aus, als ob Galileo Galilei solch eine Erfahrung bezüglich seinen Zeitgenossen ebenfalls gemacht hat, denn er sagte einst:

Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen.

Natürlich sagt der Koran selber, dass die Sprache kein Hindernis darstellt um ihn zu verstehen, da Gott Derjenige ist, Der ihn den Menschen, die ihr Herz Ihm gegenüber öffnen, erklärt.

41:44 Hätten Wir ihn als einen Koran in fremder Sprache abgefasst, hätten sie gesagt: "Wären Seine Verse doch nur klar gemacht worden?" Arabisch oder fremdsprachig, sprich: "Er ist eine Führung und eine Heilung für die Gläubigen." Doch diejenigen, die nicht glauben - ihre Ohren sind taub, und sie sind blind; diese werden wie von einem weit entfernten Ort angerufen.

Gottes Buch ist anders als jedes andere Buch auf Erden, da es Seinem System und Gesetzen unterliegt. Das Verständnis wird an der Ehrlichkeit/Reinheit der Leute gemessen (und nicht an der Sprache oder an den Qualifikationen oder am Fachwissen des Lesers):

56:77-80 Dass dies wahrlich ein edler Koran ist. In einer wohl aufbewahrten Urschrift. Keiner kann sie berühren, außer den (im Herzen) Reinen. Eine Offenbarung vom Herrn der Welten.
Quelle: http://alrahman.de/koran#Sprache

Insofern widerspricht der Verfasser eindeutig dem Koran.

Der nächste Satz ist ebenfalls vollkommen falsch. Es wird behauptet, wenn man keine Ahadith hätte, würde man keine Hinweise auf die Bedeutung der Verse des Koran finden. Dabei ist es doch so, dass die Ahadith nur zu einem sehr geringen Teil überhaupt die Inhalte des Koran an sich verdeutlichen würden bzw. diese überhaupt thematisieren. In aller Regel handelt es sich um Erzählungen, die angeblich der Anlass für einen Koranvers gewesen ein sollten. Die Tradenten erzählen dabei gerne auch mal mehrere Anlässe für einen Vers. Also kaum eine klare Sache. Es werden einem also vorwiegend Geschichten angeboten, die dann irgendwie mit dem Koran in Einklang gebracht werden können. Ein Hinweis auf das Verständnis des Koran wird so bereits durch die Methodik im Keim erstickt.

Die Aussage nun, wie "Nur-Koraniten" mit dem Koran umgingen belegt eigentlich nur, dass der Verfasser sich mit kaum einem Anhänger des Korans wirklich intensiv beschäftigt hätte und stattdessen einfach seine Deutung über die konkurrierende Deutung stellt. Damit verlangt er genau das, was mich erschreckt: blindes Folgen. Man soll sich einer vermeintlichen Autorität unterordnen. Doch der Sinn des Koran ist es eben nicht, dass man Meinungen übernimmt, weil man z.B. kein Sprachwissenschaftler ist und ein solcher seine Meinung sagt. In solch einem Falle hört man sich die Meinung an und prüft, ob diese Meinung plausibel ist. Das ist der Vorgang und dies lehrt auch der Koran:

Die allem zuhören, was gesagt wird und nur dem Besten folgen, das zu Gott führt. Das sind die von Gott Rechtgeleiteten, und sie sind es, die Verstand haben.(39/18) (Azhar)

الذين يستمعون القول فيتبعون احسنه اولئك الذين هدىهم الله واولئك هم اولوا الالبب


Und wenn wir ehrlich sind wissen wir doch, dass jemand, der auf einem bestimmten Gebiet mehr weiß bzw. zu wissen meint doch auch erklären kann, wieso er diese oder jene Meinung vertritt. Insofern ist man auch eben nicht darauf angewiesen jemandem zu glauben, man ist allenfalls darauf angewiesen eben jedem zuzuhören um dann selbst zu entscheiden. Sie gehen ja auch nicht zum Arzt und akzeptieren alles, was er sagt als Offenbarung? Manchmal holen sie eine zweite Meinung einen, manchmal ignorieren sie den Arzt. Zumindest aber lassen Sie sich alles ganz genau erklären. Sowas nennt sich "mündiger Patient" ( http://www.welt.de/gesundheit/article7880214/Wie-Sie-von-Ihrem-Arzt-ernst-genommen-werden.html ). Man benutzt das Wissen anderer Menschen um selbst zu wachsen. Man benötigt also weder ein Medizinstudium um sich über seine Gesundheit klar zu werden wie man auch kein Sprachstudium benötigt um den Koran zu verstehen. Nur weil man Wissensdefizite hat bedeutet das nicht, dass man aufhören solle zu denken:

Sie nahmen ihre Schriftgelehrten und ihre Mönche zu Göttern anstelle von Gott, sowie den Messias, den Sohn Marias. Ihnen war doch nur geboten worden, einem Gott zu dienen, außer Dem es keinen Gott gibt. Erhaben ist Er über das, was sie Ihm beigesellen. (9/31) (Azhar)

اتخذوا احبارهم ورهبنهم اربابا من دون الله والمسيح ابن مريم وما امروا الا ليعبدوا الها وحدا لا اله الا هو سبحنه عما يشركون

Aber genau dies scheint der eingangs zitierte Verfasser zu verlangen: nicht hinterfragen, nicht selber denken, nur folgen, weil man selbst ja keine Ahnung hätte. Natürlich finden die Schiiten das Imamamt im Koran, kriegen sie es doch von ihren Gelehrten so erzählt. Natürlich finden die Sunniten kein Imamat im Koran, kriegen sie es doch von ihren Gelehrten so erklärt.

-> Wenn ich also nicht in der Lage bin nun zu entscheiden ob ich den Schiiten oder den Sunniten folgen soll: wieso sollte ich ihnen überhaupt folgen? Dies ist der Zirkelschluss, der im Gegenteil zur Annahme des Verfassers sein Denkgebäude einstürzen lässt und nicht das "Nur-Koraniten-System" (welches er meiner Meinung gar nicht kennt).

Und natürlich kann nicht jeder Sprachwissenschaftler werden. Deswegen muss man jedoch kein Blinder werden, der sich nicht wagt zu bewegen ohne dass ihm die Hand zum richtigen Punkt geführt wird.

Was muss man aber nun tun, um die Wahrheit zu finden? Wie kann man den Koran wirklich verstehen?

Das kann man nicht. Das können auch nicht die angeblichen Gelehrten. Man kann nicht den Anspruch haben, ein Buch Gottes so zu verstehen, wie Gott es gemeint hat, wenn Gott einem nicht selbst die Antwort gibt. Auch nicht mit den Ahadith. Auch nicht mit den Gelehrten. Denn diese weiteren Quellen geben auch nur eine subjektive Sichtweise wieder: subjektiv in der Hadithklassifizierung (Gott hat nicht erklärt wie Ahadith zu klassifizieren seien), subjektiv in der Meinung des eigenen Glaubens.

Das einzige, was man tun kann ist, den Koran beim Wort zu nehmen:


Wenn Wir gewollt hätten, hätten Wir ihn durch die ihm gegebenen Zeichen erhöhen können. Er verschrieb sich aber den irdischen Gütern und ging stets seinen Gelüsten nach, wie der Hund, der immer hechelt; so hechelt er, wenn ihr ihn wegtreibt und auch wenn man ihn verlässt. Das ist das Gleichnis der Menschen, die Unsere Zeichen für Lügen halten und sich ihren Gelüsten hingeben. Trage ihnen die belehrenden Geschichten vor, damit sie darüber nachdenken! (7/176) (Azhar)

ولو شئنا لرفعنه بها ولكنه اخلد الى الارض واتبع هوىه فمثله كمثل الكلب ان تحمل عليه يلهث او تتركه يلهث ذلك مثل القوم الذين كذبوا بايتنا فاقصص القصص لعلهم يتفكرون

Einfach mal nachdenken!

Das kann einem niemand abnehmen! Manchmal hilft es, die in den Links genannten Punkte zu berücksichtigen:

http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/derkoran/555-koranlesen.html

http://alrahman.de/koran

Zum Abschluss noch eine Richtigstellung:

der Verfasser geht davon aus, der Islam sei ein Verhaltensmodell, mit festen Regeln für jede bestimmte Situation. Doch dies ist allenfalls die Folge des Islam. Der wahre Islam ist es zunächst einmal sich dem zu unterwerfen, was man selbst als Wahrheit anerkennt. Diese Wahrheit kann Morgen schon umgeworfen worden sein, weil man andere Erkenntnisse gewonnen hat. Weil man etwas übersehen hat. Weil man einen Fehler gemacht hat. Dennoch war es Islam. Der Wunsch zur Unterwerfung unter die Wahrheit und damit unter Gott. Egal ob Schiit, Sunnit, Alevit, Christ oder eben "Nur-Koraner". Der Weg ist das Ziel und Gott ist der Lehrer. Wer glaubt, die Wahrheit gefunden zu haben, der ist auf dem besten Wege sich selbst zu seinem eigenen Gott zu machen. Wahrheit liegt eben immer im Auge des Betrachters. Die Forderung nach blindem Glauben ist jedoch genau das: man soll die Füße hochlegen, seinen Gelehrten vertrauen und in der Folge blicken die meisten arrogant auf diejenigen herab, die etwas anderes Glauben. Erschreckend, was Religion aus einem Menschen machen kann.

Lesen Sie dazu auch:

http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/allgemein/890-wie-ich-rechtgeleitet-wurde.html

http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/allgemein/822-die-stimme-des-systems.html

http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/allgemein/858-gottes-worte-sind-unerschoepflich.html

Ich danke dem Verfasser des Zitats, dass er mir die Möglichkeit gab, einen weiteren Artikel zu verfassen. Sollte ich ihn mißverstanden haben, so entschuldige ich mich hiermit. Die Inhalte dürfte dies jedoch keineswegs tangieren.


Kommentare  

 
+2 # Erschreckend, was Religion aus einem Menschen machen kann.inquisitione veritat 2012-10-15 00:31
Salam,
dieses Phänomen gibt es in allen Gruppierungen ,ob religiös oder politisch ,das einheitliche Denken /Meinungen .
Jeder meint er hätte die Wahrheit gepachtet ,
diese Voreingenommenh eit erstickt jegliche vernünftige Kommunikation schon im Keim.

Salam
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