Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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"Homosexualität" und Islam? Zur Rehistorisierung eines Verhältnisses

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Veranstaltungsort: Autonomes Schwulenreferat der Goethe-Universität Frankfurt, Mertonstr. 26-28, Campus Bockenheim, Raum B102


Der westliche Begriff des Homosexuellen definiert einen bestimmten Typus von Person, dem gleichgeschlechtliches Begehren als „Anormalität“, als psychische oder sogar körperliche Besonderheit, eingeschrieben wird. Klassische Texte aus der islamischen Welt kennen diese normalisierende Konstruktion nicht. Selbst ihre ärgsten religiösen Eiferer, namentlich die Hanbaliten, setzten als selbstverständlich voraus, dass trotz aller individuellen Differenzen gleichgeschlechtliches Begehren Teil einer „gesunden seelischen Verfassung“ sei. So wundert es nicht, dass ein zwar nicht unbedingt als authentisch geltender, aber in klassischer Zeit dennoch äußerst populärer Hadith auch dem Gesandten Gottes die Sorge zuschreibt, von schönen Burschen in Versuchung geführt zu werden.


Wozu muslimische Geistliche sich äußerten, waren spezifische Handlungen wie Analverkehr oder Tribadie, über deren genauen Sündengehalt in der formativen Zeit kein Konsens erzielt werden konnte. Sie wogen, je nach Richtung, manchmal weniger als das verbotene Trinken von Wein und manchmal mehr als ein „heterosexueller“ Ehebruch. Gemäß der islamischen Pflichtenlehre waren Frömmler zur Maßregelung von Sündern mit der Zunge, dem Herzen und seltener auch der Hand verpflichtet. Doch trug ihre Betonung der von jungen Männern ausgehenden Versuchung, die ihrer Ansicht nach so groß war, dass nur übermenschliche Kraft sie bezwingen konnte, narrativ eher zur Anreizung als zur Unterdrückung des Verbotenen bei.

Der restriktive Diskurs der Religionsgelehrten, der selbst noch innerhalb des Glaubens mit dem ganz anders gearteten der Mystik konkurrieren musste, erreichte in der islamischen Welt jedoch nie die Position eines unbestrittenen Platzanweisers. Das hegemoniale Skript der Erotik war nicht das mit Pedanterie gepflegte Genre religiöser Rechtshandbücher, sondern die von frommen Rücksichtnahmen weitgehend ungetrübte arabisch-, persisch-, osmanisch- und urdu-sprachige Liebesdichtung – das Ghasel, in dem die Liebe zu jungen Männer eines der bestimmendsten Motive war. Am Ende des 19. Jahrhunderts durch den westlichen Puritanismus zum Verstummen gebracht, trat im 20. an seine Stelle allmählich die wissenschaftliche Konstruktion des Homosexuellen als einer „Spezies“ (Foucault). Die Sprache des Glaubens lässt sich aus diesem historischen Apriori nicht herauspräparieren. Ob liberal, konservativ oder fundamentalistisch: er ist dazu verurteilt, sich mit den gewandelten Vorannahmen über gleichgeschlechtliche Liebe und Lust auf neue Weisen ins Verhältnis zu setzen.

Georg Klauda ist Soziologe und Autor des Buches «Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt», das 2008 im Hamburger Männerschwarm-Verlag erschienen ist.

http://frankfurterschwule.wordpress.com/



Lesen Sie dazu auch: http://meine-islam-reform.de/index.php/artikel/fiqh/47-homokoran.html




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