Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

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Die Shahada

Orthodoxe Shahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in LahoreDie Shahada ist die erste Säule des orthodoxen Islam und lautet: "La ilaha il allah muhammad rasululah" - "Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist sein Gesandter". Es ist bemerkenswert, dass ein solches Glaubensbekenntnis im Koran nicht existiert. In Sure 3 Vers 18 findet sich lediglich folgendes:

"Allah bezeugt, daß es keinen Gott gibt außer ihm. Desgleichen die Engel und diejenigen, die das Offenbarungswissen besitzen. Er sorgt für Gerechtigkeit (qaa'iman bil-qisti). Es gibt keinen...


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Welchen Wert messen wir der Religion bei?

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Es gibt etliche Wege, sich für die eigene Religion zu engagieren. Nicht wenige gehen dabei den Weg der Separation. Die Religion dient ihnen nicht nur der Selbstfindung sondern der Selbstdefinition. Sie erschaffen sich eine vermeintliche Umgebung der Wahrhaftigkeit und trennen sich so von Personen, die anders leben (Religion ist zumindest nach koranischem Verständnis eine Lebensweise) ab. Dadurch entsteht ein Gefühl der Sicherheit aber auch des Verfolgungswahnes.

Eine solche Haltung ist brandgefährlich. Überall wittert man Angriffe auf die eigene Religion, jede Kritik, ja jeder alternative Lebensentwurf wird zum Angriff auf die eigene Lebenswelt gedeutet und eine Weltverschwörung wird konstruiert. Hier die Gläubigen und dort die Ungläubigen.

Nicht wenige dürften nun aufspringen und rufen: Aber der Koran lehrt uns doch, dass die Ungläubigen die schlechten Menschen sind! Und sie haben natürlich vollkommen Recht! Die Frage jedoch, die so selbstverständlich ausgeklammert wird lautet jedoch:

Wer sind die Ungläubigen?

Mit beneidenswerter Selbstsicherheit lautet de Antwort auf diese Frage: "Natürlich die Anderen!" - keine Frage, dass die "Anderen" das so ähnlich sehen. Nur neben unter völlig anderen Grundvoraussetzungen. Dabei kennen sich die "Kontrahenten" nicht einmal. Sie urteilen auf Grund irgendwelcher Rechtsgutachten, persönlichen Überlegungen oder einfach weil die Oma es so erzählt hat. Ohne einen persönlichen Dialog ist es jedoch nicht möglich überhaupt zu der Frage nach der Gläubigkeit des Einzelnen zu gelangen. Diese Frage ist völlig irrelevant, egal, wie man diese Frage beantworten will. Ich selbst lehne die vereinfachte Reduzierung auf Religionszugehörigkeit ab. Ein Jude ist nicht per se ungläubig. Auch nicht im koranischen Sinne. Ein Muslim ist (ungeachtet der eigentlichen Wortbedeutung) nicht automatisch als Gläubig zu bezeichnen.

Der Glaube ist in sich eine höchst schwierige, weil höchst private Angelegenheit. Ich würde sogar so weit gehen, dass nicht wenige selbst gar nicht wirklich wissen, was oder wie sie glauben. Auf dieser Basis führt denn dieses den meisten Religionen eigene schwarz-weiß denken nur zu Angst, Hass und Gewalt. Die Folgen sind uns allen leider bekannt. Überall auf der Welt herrschen Leid und Elend. Neben vielen anderen Ursachen sind es auch die Religionen, die diesen Unfrieden fördern.

Doch sind es wirklich die Religionen?

Sind es nicht viel mehr die Menschen, die die Religionen bewusst manipulieren um Unfrieden zu schaffen? Ist nicht die eigentliche Ursache die Schwäche des Menschen? Seine mangelnde Fähigkeit an sich selbst festzuhalten? Die Furcht sich selbst und sein Leben zu hinterfragen?

Natürlich ist es einfacher selektiv bei der Gestaltung der Religion vorzugehen. Deswegen ist die Welt so wie sie ist. Zutiefst auf den Erhalt bedacht. Ein Fortschritt kann so nicht stattfinden. Entwicklungen werden im Keim erstickt zu Gunsten uralter tradierter Überzeugungen, die sich niemand getraut in Frage zu stellen, weil man ja am gesellschaftlichen Ast auf dem man selbst sitzt sägen würde. Das wollen die wenigsten.

Veränderungen bedingen aber eben ganz grundsätzlich, dass zunächst das Alte endet. Der Islam ist nichts andere, als eine Erneuerung dessen, was ihm voraus ging. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die Denkmuster, die zu seiner Entstehung vorherrschend waren heute noch als "modern" bezeichnen könnte. Vieles ist verkrusteter Muff, der auf einseitigen Weltbildern basiert und dieser gehört abgeschafft.

Natürlich kann man sich in seinem Kämmerlein einschließen und sorgfältig vorzensierte Literaturen verschlingen und sich selbst als das Maß aller Dinge verstehen. Dann sollte man aber bitteschön auch darin hocken bleiben und nicht plötzlich mit irgendwelchen Missionsanliegen plötzlich an der Ecke stehen oder mit Terror drohen. Oft ist ja beides ein und dasselbe.

Wie also die Religion leben?

Offen. Ganz einfach offen. Offen für alles und offen für jeden. Gerade der Koran bietet viele Ansatzpunkte: Das Fremde kennenlernen, alles aufnehmen und prüfen, etc. - Punkte, die der Koran von seinen Anhängern einfordert. Die Masse verweigert sich jedoch lieber und meint, diese Punkte seien bereits von den Altvorderen zur Genüge abgehandelt worden und man müsse jetzt nur noch Einteilen.

Wer so denkt und wenn sich daran nichts ändert: für diese Menschen sollten Religionen verboten werden, weil sie zu blöd sind diese anzuwenden und zu arrogant zuzugeben, dass sie dabei von Religion nichts das Geringste verstehen. Das Denken dieser Personen muss ausgemerzt werden. Dies ist nur mit Bildung möglich. Nur Selbstreflektion kann die Religionen  vor sich selbst retten.

Es darf von Seiten der Gläubigen nicht mehr geschwiegen werden, wenn Menschen im Namen des Glaubens getötet werden. Wenn Kriege entfacht, Menschenrechte ignoriert und Kinder zum Glauben genötigt werden.

Es ist an der Zeit aufzuklären, nachzudenken und den Religionen den Platz zuweisen, der ihnen gebührt: sie sind ein Hort der Spiritualität und eine Wiege der Werte. Sie sind jedoch kein Regelkatalog, der einen zum besseren Menschen erklärt und mit der Erlaubnis ausstattet alle, die das anders sehen herabzuwürdigen.

Nicht de Religion bewerben, die Religion für sich selbst leben sollte das Motto sein! Bis dahin scheint es jedoch noch ein weiter Weg...


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