Meine-Islam-Reform

Die persönliche Seite einer Religion

  • Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Das Gebet im Koran

Im orthodoxen Islam ist man der Ansicht, dass der Koran nicht ausreichen würde, um das Gebet zu beschreiben. Daher greift man diesbezüglich auf die Ahadith zurück. Dies geht einher mit dem Gedanken, die Durchführung des Gebets müsste wie eine Gebrauchsanweisung in allen Einzelheiten beschrieben sein, ohne bzw. mit nur ehr wenig individuellen Möglichkeiten. Dies ist für sich betrachtet in sich schlüssig und korrekt. Es ist jedoch ein Irrtum anzunehmen, dass es nicht auch anders ginge und eben...


Weiterlesen...

Fundamentalismus-Studie: Homo, Jud und Christ - oder: Herr Ley macht sich die Welt...

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 47
SchwachPerfekt 

Eigentlich wollte ich ja nun keine Artikel mehr verfassen. Aber Herr Ley hat es mir einfach gemacht, dieses Vorhaben zumindest temporär zu ignorieren. Zwar gibt es bereits zwei sehr gute Widerlegungen (Links im Anhang) seines "Beitrags", doch will ich mein Augenmerk vermehrt auf die Koranexegese (wenn man dies bei Ley so nennen kann) legen.



Zunächst ein Link zu dem nun zu bearbeitenden Artikel: http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/3800386/FundamentalismusStudie_Homo-Jud-und-Christ


Zunächst fällt auf, dass das Bild des Koran auf dem Kopf steht. Normalerweise ist niemandem auf Grund sprachlicher Mängel derlei vorzuwerfen, aber bei einem seriösen Nachrichtenmedium wird ich doch irgendwer finden lassen, der arabische Schrift zumindest erkennen kann. Immerhin passt diese Qualität zum Rest des Artikels. Aber sehen wir weiter:

Bereits im ersten Absatz beginnen die Ungereimtheiten. So lesen wir:

Eine empirische Studie des Wissenschaftszentrums Berlin stellte vor Kurzem fest, dass 55 Prozent der österreichischen Muslime fundamentalistisch eingestellt sind. Bei diesen Menschen handelt es sich jedoch nicht um besonders fromme Quietisten, sondern um handfeste Judenfeinde: So sind 79 Prozent der Muslime der Meinung, dass man Juden nicht trauen kann, und 69 Prozent lehnen Homosexuelle ab. Im Vergleich dazu sind neun Prozent der Christen Antisemiten, und 13 Prozent sprechen sich gegen Homosexuelle aus

Wenn ich das so lese, dann heißt das für mich, dass eine "fundamentalistische" Einstellung offenbar keinerlei Auswirkungen auf die Meinung über Juden hat, denn wäre es so, so müssten entweder 55% den Juden nicht trauen oder 79% müssten Fundamentalisten sein. Offenbar macht aber die Mehrheit der Befragten ihre Vorurteile eben nicht an den Glaubenstexten fest. Mit den genannte Christen ist es ähnlich: die Bibel lehnt Homosexualität explizit ab und dennoch haben lediglich 13% Christen Vorbehalte. Daran kann man bereits gut erkennen, dass eine empirische Studie nur etwas darüber aussagen kann, was eine bestimmte Gruppe an einem bestimmten Ort in einem bestimmten Zeitrahmen ausmacht - wenn überhaupt. Wieso dies aber so ist kann man nur mutmaßen. Und genau dies tut Ley:

Die negativen Einstellungen gehen Hand in Hand mit anderen fundamentalistischen Dogmen: 73 Prozent der Muslime stellen die göttlichen Gesetze über die staatlichen, und 60 Prozent fordern eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islam. Bei den befragten Christen sind es 13 Prozent, die die Regeln der Religion über die staatliche Souveränität stellen, immerhin 20 Prozent votieren ebenfalls für eine Rückbesinnung auf ihre Religion.

Auch mit dieser Aussage kann man wenig anfangen, denn darüber, was Rückkehr zu den Wurzeln des Islam bedeutet herrscht innerhalb des Islam eine gewisse Meinungsverschiedenheit und dass 79% Fundamentalisten sind aber nur 73% göttliche Gesetze über dem staatlichen Pendant verorten wundert mich dann doch. Doch haben wohl ein paar Fundamentalisten nicht begriffen, wie sie korrekt fundamentalistisch sind. Freilich könnte es auch daran liegen, dass dieser Begriff äußerst schwammig im Gebrauch ist. Ein kurze Blick in die Wikipedia genügt, um das Dilemma aufzuzeigen. Fraglich, wie man Fundamentalismus in einer Studie somit korrekt bestimmen will. Aber sei es drum, denn um die Studie geht es mir wie gesagt nicht. Ich möchte damit nur den Gedanken anregen, wie man aus einer solchen Studie etwas lernen will, wenn bereits die Studie selbst in ihren Begriffsbestimmungen problematisch ist.

Nun aber endlich zur Privatexegese des Herren Ley:

Die Dämonisierung anderer Religionen ist ein integraler Bestandteil des Islam, die sich im Koran und in der gesamten religiösen Tradition findet. Insbesondere zeigt sich unverhohlen ein extremer Antijudaismus. Der Koran ist durchsetzt von judenfeindlichen Stereotypen: Die Juden haben verhärtete und beschnittene Herzen, sie haben Gottes Bund gebrochen, die Propheten getötet, sie lügen und haben Gottes Wort verfälscht, sie sind vertragsbrüchig, nehmen Wucher, rauben Geld, und sie glauben nicht an das Jenseits. Im Koran gibt es nur negative Charakterisierungen der Juden, er porträtiert sie nicht nur als Kriegstreiber, die für jegliche Missetaten auf Erden verantwortlich sind, sondern verflucht sie als „Affen und Schweine“ und weist ihnen somit den niedrigsten Rang zu: „Und gewiss habt ihr diejenigen unter euch gekannt, die das Sabbath-Gebot brachen. Da sprachen wir zu ihnen: ,Werdet ausgestoßene Affen!‘“ (Sure 2:65)

Das einzige, was an obiger Ausführung korrekt ist, dass der Koran in der Tat von Juden spricht. Und in der Tat äußert er sich auch höchst negativ. Was Ley jedoch völlig ignoriert ist die Tatsache, dass die negativen Darstellungen allesamt auf Handlungen beschränkt sind. Juden werden nicht negativ beurteilt, weil sie Juden sind sondern sie werden in Bezug auf ihre negativen Handlungen verurteilt. Doch Ley ist von seiner Meinung so überzeugt, dass er nicht einmal bemerkt, dass sein eigenes Zitat ihn Lügen straft. In Sure 2 Vers 65 ist nämlich die Rede von denjenigen, die das Sabbath-Gebot brachen. Nicht alle Juden haben dies jedoch getan. Im Gegenteil! Ley sollte sich vielleicht auch einmal mit Juden unterhalten anstatt ihnen zu unterstellen, sie würden ihre eigenen Gebote nicht einhalten. Ein Schelm, wer nun meint Ley würde damit Juden dämonisieren...

Mit der Aussage, der Koran beinhalte ausschließlich negative Äußerungen über Juden kann ich nun so gar nichts anfangen. So lese ich dort in Sure 3:113-115:

Sie sind nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine Gemeinschaft, die (für das Rechte) einsteht. Sie tragen in der Nacht Gottes Zeichen vor und werfen sich (vor Ihm) nieder. Sie glauben an Gott und an den Jüngsten Tag und regen zum Guten an und verwehren Böses und wetteifern miteinander zum Guten. Sie gehören zu den Rechtschaffenen. Was sie an Gutem tun, nichts wird ihnen vorenthalten, und Gott kennt die Achtsamen."

Entweder lügt Ley oder er hat schlicht keine Ahnung wovon er redet.

Aber es wird noch ahnungsloser:

Weil die Juden Allah nicht anerkannt haben, wurden sie entmenschlicht und gleichsam zu Tieren degradiert: „Es sind jene, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat.“ (Sure 5:60) Dieses Motiv findet sich immer wieder: „Und als sie trotzig bei dem verharrten, was ihnen verboten worden war, da sprachen Wir zu ihnen: ,Werdet denn verächtliche Affen!‘“ (Sure 7:166)

Bei solchen Versangaben frage ich mich, wie Ley die Verse eigentlich gefunden hat? Hat er sie sich auf irgendwelchen islamfeindlichen Webseiten zusammengesucht? Gelesen kann er den Koran nicht haben, denn dann müsste er ja auch die umliegenden Verse wahrgenommen haben (Sure 5:58-60)

Wenn ihr zum Gebet ruft, machen sie sich darüber lustig und nehmen es zum Gegenstand des Spiels. Dies, weil sie Leute sind, die nicht begreifen. Sag: O Leute der Schrift, grollt ihr uns nur (darum), daß wir an Allah glauben und an das, was zu uns (als Offenbarung) herabgesandt worden ist und was zuvor herabgesandt wurde, und daß die meisten von euch Frevler sind? Sag: Soll ich euch kundtun, was als Belohnung bei Allah (noch) schlechter ist? Diejenigen, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen und Schweine gemacht hat und die falschen Göttern dienen. Diese befinden sich in einer (noch) schlechteren Lage und sind (noch) weiter vom rechten Weg abgeirrt.

Auch hier ist somit klar ersichtlich, dass nicht alle Juden über einen Kamm geschoren werden. Vielmehr gibt der Kontext darüber Auskunft, dass die negativen Äußerungen im Rahmen eines Konfliktes getätigt wurden und somit eben kein generelle Urteil abgeben. Mit Sure 7:166 ist es exakt dasselbe! Bereits in Vers 165 wird dies mehr als deutlich:

Und als sie vergessen hatten, womit sie ermahnt worden waren, retteten Wir diejenigen, die das Böse verboten, und ergriffen diejenigen, die Unrecht taten, mit schlimmer Strafe dafür, daß sie zu freveln pflegten.

Es wurde ja bereits festgestellt, dass es Probleme mit dem Arabischen gibt. Aber Deutsch müsste doch wenigstens drin sein?!

Mehr überprüfbare Aussagen zum Koran tätigt Ley leider (oder Gott sei Dank?) nicht. Mit seinen paraphrasierenden Darstellungen liegt er jedenfalls eben so weit daneben, wie mit seinen konkreten Versangaben.

Zum Abschluss möchte ich anhand eines Beispieles auf seine Methodik eingehen. Er schreibt:

Die Endzeitprophetie des Islam kennt natürlich die Vernichtung der Juden; der entsprechende Hadith, das heißt eine verbindliche religiöse Überlieferung, lautet: „In der letzten Stunde werden Muslime gegen Juden kämpfen. Da die Juden ein Bestandteil der Armee des Dajjal (Satan) sind und Muslime die Soldaten des Propheten Jesus, werden sie gegeneinander kämpfen, und die Muslime werden siegreich sein, bis selbst ein Stein oder ein Baum sagen wird: Komm her, Muslim, hinter mir versteckt sich ein Jude, töte ihn.“

Der Hadith erzählt von der Endzeit. So wie zig andere Texte von der Endzeit erzählen. Anstatt den Hadith zuminest zu zitieren interpretiert Ley ihn für die Leser. Wie immer in seinem Sinn. Der Hadith lautet: 

Hadith des al-Buchari Volume 4, Book 52, Number 177:

“Narrated Abu Huraira: Allah’s Apostle said, “The Hour will not be established until you fight with the Jews, and the stone behind which a Jew will be hiding will say. “O Muslim! There is a Jew hiding behind me, so kill him.”

Zu deutsch:

"Der Prophet(s.a.s.) sagte, daß die Stunde nicht kommen wird, bis die Muslime die Juden bekämpfen und umbringen; bis der Jude sich hinter dem Stein und Baum versteckt und der Stein und der Baum sagen wird: Oh, du Muslim, oh, du Diener Allahs, dies ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, komm und bring ihn um! Bis auf Gargat dieser ist von den Bäumen der Juden."

Folglich handelt es sich hier gar nicht um die letzten Stunden, wie Ley gaubt, sondern es handelt sich um Zeichen, die auf die letzte Stunde hindeuten. In dem Hadith steht weder eine Aufforderung zum kämpfen, noch eine Anweisung Juden zu vernichten. Der Hadith macht nicht einmal eine Aussage dazu, wer den Kampf beginnt! Der Koran legt jedoch nahe, dass die Muslime von der Stunde überrascht werden, womit sich sämtliche Spekulationen über ein Herbeiführen der letzten Stunde zerschlagen (7:187):

Sie fragen dich nach der Stunde, für wann sie feststeht. Sag: Das Wissen darüber ist nur bei meinem Herrn. Nur Er wird sie zu ihrer Zeit erscheinen lassen. Schwer lastet sie in den Himmeln und auf der Erde. Sie wird nur plötzlich über euch kommen. Sie fragen dich, als ob du gut unterrichtet über sie seiest. Sag: Das Wissen darüber ist nur bei Allah. Aber die meisten Menschen wissen nicht.

Ley arbeitet unsauber, fehlerhaft und voreingenommen. Er ist nicht ergebnisoffen, er will sein Ergebnis in die islamischen Quellen hineindeuten. Derlei ist bestenfalls unredlich. In einem seriösen Medium sollte derlei nicht veröffentlicht werden. Für derlei gibt es die BILD.



http://islamophobieforschung.wordpress.com/2014/05/12/pseudowissenschaftliche-leidenschaft-eines-koran-experten-michael-leys-antimuslimischer-ausflug-in-koran-exegese/

https://www.facebook.com/notes/caroline-neumueller/kommentar-zu-fundamentalismus-studie-homo-jud-und-christ/10152090613721631


Kommentare  

 
0 # Frage zur Endzeitpropheti epjebsen 2014-06-14 15:21
Wissen Sie, auf welcher Grundlage Juden als "ein Bestandteil der Armee des Dajjal (Satan)" gesehen werden?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
 
 
0 # AntwortAdmin 2014-06-24 18:39
Hallo,

den Ahadith ist zu entnehmen, dass die Armee des Dajjal zu einem großen Teil aus Juden besteht, wenngleich nicht ausschießlich.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
 
 
0 # Artikelzoom 2015-04-07 17:19
Frieden
Sehr schöner beitrag der gut aufzeigt das so manche lesen wie die Fundamentaliste n.jedem sein islam
wa selam zoom
P.s was ist mit dem forum
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

You are here: Blog Neues Fundamentalismus-Studie: Homo, Jud und Christ - oder: Herr Ley macht sich die Welt...