Trinität im Koran

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Oftmals wird dem Koran vorgeworfen, er wende sich gegen eine falsch verstandene Trinität, die es unter Christen so nicht gäbe. Diese Aussage ist jedoch falsch. Der Begriff „Trinität“ wird im Koran an keiner Stelle benutzt, womit es sich eher um ein Mißverständnis der Inhalte des Korans handelt, als um ein Mißverständnis desselben in Bezug auf Trinität.

Der Koran sagt

Sure 4 Vers 171: „Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit (laa taghluu fie dienikum) und sagt gegen Allah nichts aus, außer der Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist (nicht Allahs Sohn. Er ist) nur der Gesandte Allahs und sein Wort (kalima), das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Allah und seine Gesandten und sagt nicht (von Allah, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (solches zu sagen! Das ist) besser für euch. Allah ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört, (vielmehr alles), was im Himmel und auf Erden ist. Und Allah genügt als Sachwalter.“ (Paret)

Sure 5 Vers 73: Ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Allah ist einer von Dreien.“ Es gibt keinen Gott außer einem einzigen Gott. Und wenn sie mit dem, was sie (da) sagen, nicht aufhören (haben sie nichts Gutes zu erwarten). Diejenigen von ihnen, die ungläubig sind, wird (dereinst) eine schmerzhafte Strafe treffen.“ (Paret)

Diese beiden Verse sind die einzigen, die überhaupt von einer Zahl in Bezug auf Beigesellung sprechen. In beiden Versen werden die Menschen kritisiert, die sagen es gäbe außer Allah noch zwei weitere Götter. Bei diesen beiden Göttern handelt es sich einmal um Jesus und einmal um Maria. (Sure 5 Vers 116: „Und (dann), wenn Allah sagt: „Jesus, Sohn der Maria! Hast du (etwa) zu den Leuten gesagt: „Nehmt euch außer Allah mich und meine Mutter zu Göttern“? „Er sagt: „Gepriesen seist du! (wie dürfte man dir andere Wesen als Götter beigesellen!) Ich darf nichts sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es (tatsächlich doch) gesagt hätte, wüßtest du es (ohnehin und brauchtest mich nicht zu fragen). Du weißt Bescheid über das, was ich (an Gedanken) in mir hege. Aber ich weiß über das, was du in dir hegst, nicht Bescheid. Du (allein) bist es, der über die verborgenen Dinge Bescheid weiß.“ (Paret)

In 5/116 wird zwar nicht explizit erwähnt, daß Maria als Gottheit verehrt würde, aber eine andere Option läßt sich aus dem Koran nicht ableiten.

Wir haben es also mit einem Tritheismus zu tun, wie er in den christlichen Kirchen nicht zu finden ist. Doch zur damaligen Zeit muß es Gruppierungen gegeben haben, die eine solche Troika des Göttlichen favorisierten. Und wirklich: zwei christliche Sekten und damit ebenfalls „Leute der Schrift“ vertraten derlei Lehren: der Kolliridianismus(verehrt Gott und Maria als Götter) und die Mariamiten2 (verehren Gott, Maria und Jesus als Götter). Diese beiden christlichen Sekten (möglicherweise gab es noch andere) scheinen in den genannten Versen also angesprochen worden zu sein und nicht die christlichen Gruppierungen, die eine Trinität im uns heute bekannten Sinne vertreten haben.


1 http://www.ewtn.com/library/HOMELIBR/COLLYRID.TXT

2 „Über das spezifische Land, auf welches wir uns beziehen, sei gesagt, daß Arabien seit Urzeiten bekannt war für seine Ketzereien. Dies kann zum Teil damit in Zusammenhang gebracht werden, daß den verschiedenen Stämmen stets ein gewisses Maß an Freiheit und Unabhängigkeit zugesprochen wurde. Manche der Christen dieses Landes glaubten, daß die Seele zusammen mit dem Körper sterben und gleichfalls wieder am letzten Tage zusammen auferstehen würde. Es wird gesagt, daß Origen diesen Glauben vertreten habe. Unter den Arabern waren es die Häresien von Ebion, Beryllus und die der Nazarener sowie der Collyridianer welche vertreten oder doch zumindest im Gange waren, Verbreitung zu finden. Letztere führten die Jungfrau Maria als Gott ein oder verehrten sie jedenfalls als solchen indem sie ihr eine Art gedrehtes Gebäck (wie ein Zopf?) darreichten, das Collyris genannt wurde und somit dieser Sekte ihren Namen verlieh. Diese angenommene Göttlichkeit der Jungfrau Maria war auch bei manchen Vertretern des Konzils zu Nicäa populär; sie postulierten, daß zwei Gottwesen neben dem Vater bestünden, nämlich Christus und die Jungfrau Maria. Sie wurden in der Folge die Mariamiten genannt. (George Sale, The Koran, IX Edition of 1923, J B Lippincott Company, London, Seite 25)

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4 Gedanken zu „Trinität im Koran“

  1. Kein Christ behauptet, dass Jesus gesagt hat, man soll Maria zur Göttin nehmen.

    Dies zeigt, wie schlecht Mohammed und seine Anhänger über das Gottesverständnis der Christen informiert waren.

    Zudem ist das Beispiel mit den christlichen Sekten eine reine Schutzbehautung. Wären diese speziell angesprochen gewesen, würde es auch so im Koran stehen müssen. Oder ist der Koran so unpräzise?

    1. Dass derlei kein Christ behauptet habe, ist bereits durch die Quellenangabe im Text widerlegt. Deine beliebige Definition, was eine christliche Sekte sei spricht da Bände.

      Freilich richtet sich der Koran als Zeitdokument zunächst an die direkten Adressaten. In der Tat dürfte das Christentum des damaligen Arabiens wesentlich näher am Urchristentum liegen, als heutige Ausformungen.

      Ich erkenne keinen Mangel an Präzision, wenn der Koran die heutigen christlichen Lehren nicht so differenziert, wie sie es gerne hätten. Abgesehen davon, dass es eine Eigenheit des arabischen ist, dass pauschale Aussagen durchaus Ausnahmen zulassen. Das ergibt sich sowohl aus dem Kontext als auch aus der klassischen Tafsirliteratur.

      1. @Admin: kennst du das erste Gebot der 10 Gebote? Es kann keine Christen geben, die behaupten, dass Jesus und Maria Götter neben Gott (Allah hat mit dem christlichen Gott nichts zu tun) sind. Das würde automatisch bedeuten, dass sie das wichtigste der 10 Gebote nicht akzeptieren. Wenn sie das doch behaupten, sind es automatisch keine Christen. Vers 4 Sure 171 richtet sich übrigens sogar allgemein an die Leute der Schrift, was sonst auch Christen oder Juden sind. Deshalb ist deine Behauptung auch falsch, es seien spezielle Sekten damit gemeint.

        Das erste Gebot, nämlich dass man keine andere Götter haben darf, kennt nunmal jeder Christ und muss es zur Kommunion wissen. Dementsprechend hat Matthias Recht: Mohammed hat die Trinität nicht verstanden.

        1. Das Argument des falschen Schotten sagt eben nchts aus und dient nicht als sinnvolles Argument. Die christliche Kirche ist im Grunde seit ihrem bestehen bemüht, anderen das Christsein abzusprechen. Im Grunde verfahren alle Religionen ähnlich. Aber nicht nur das widerspricht Deiner Argumentation. Es ist nämlich vollkommen unerheblich, ob sich Personen als Christen bezeichnen und deren Glaube in irgendeiner Form objektiv Fehlerhaft sei oder nicht, ds ändert sicht an hrem selbstverständnis. Was war das Ziel des Koran: den fehlerhaften Glauben der Juden und Christen zu korrigieren. Logischerweise korrigiert er zunächst die Juden und Christen, die vor Ort sind. Hätte er sich um das Konzil von Nicäa kümmern wollen, dann hätte sicherlich ein in Mekka ansässiger Christen behauptet, dass das keine Christen seien. Betrachtet man sich die Diskussion um die frühchristlichen theologiscen Positionen, so kommt man zu dem Schluß: auch die Christen können die Trinität nicht verstanden haben. Könnte allerdings auch daran liegen, dass diese an keiner Stelle zwingend logisch ist. Man muss allein auf den Arianischen Streit blicken, um dies zu erkennen.
          Dein Einwurf, dass der Vers sich an die Leute der Schrift richten würde und deswegen Juden gemeint seien offenbart nur, dass Du wenig über das Sendungsbewußtsein des Koran weißt. Der Koran findet als Dialog statt. Insofern wird jemand konkret angesprochen in einem Gespräch (der Koran wurde nicht aufgeschrieben, sondern zunächst als Rede offenbart). Das bedeutet, dass in einem Dialog, stets der Kontext zu berücksichtigen ist. Folglich geht es in dem Vers tatsächlich nur um Personen, die der dargelegten Vorstellung auch entsprechen. Je nach Auslegung bezieht sich der Terminus „Leute der Schrift“ auch nicht ausschließlich auf Juden oder Christen, sondern auf Personen, die Schriften besitzen.

          Zusammengefasst:
          1. Ob jemand den Regeln seiner Religion entsprechend handelt sagt nichts über sein selbstverständnis aus.
          2. Die 10 Gebote wirken sich nicht auf die Interpretation dessen, was Trinität bedeutet aus – theologische Feinheiten der ARgumentation abzubilden ist nicht die Intention des Koran.
          3. Leute der Schrift ist ein Überbegriff, dessen Inhalt sich am Kontext orientiert.

          Fazit: Deine Ausführungen unterliegen falscher Prämissen und mangelnder Kenntnis und Akzeptanz frühchristlicher Entwicklung. Im Grunde hat bereits der Artikel selbst genügt, um Deine irrige Argumentation zu widerlegen.

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